💭Gedanken fangen

warten auf : an der Reihe sein

Den ganzen Tag ein, in sich steigerndes offen liegendes Nervenbündel…bin ich…gewesen

Im Wartezimmer sitzen sie mir gegenüber. Die Mutigen, Eingeschüchterten, Beunruhigten, Verstörten, Unbehaglichen, Verlorenen, Ruhelosen, Angespannten, Beklommenen, Sorgenvollen, Verängstigten und Panischen Menschen, aus jeder Alters- und Bevölkerungsgruppe.

Alle sind hier gleich, da werden keine Unterschiede gemacht. Hier haben stillschweigend alle Anteil aneinander. Niemand kennt sich und doch ist da eine unsichtbare Verbundenheit.

Ablenken, denk ich bei mir. Boulevardblätter, Tageszeitungen und ernstzunehmende (die, die sich selbst ernst nehmen) Magazine laden zum gelesen werden ein.

Gelächter und Ausgelassenheit flutet, aus dem Anmeldebereich, in die Stille des Warteraums. Wirkt irgendwie fehl, doch bringt es eine Menschlichkeit, Wärme und Lockerheit hier hinein. Lässt mich daran denken, dass ich eigentlich keine Angst- ähnlichen- Gefühle denken muss. Das hier nichts schlimmes passieren wird, es ist doch nur ein Zahnarztbesuch. Mir ist Einhundertprozentig (und mehr) bewusst, dass es (hier) nicht gefährlich ist. Ich es aushalte, dass ich das schaffe und dennoch ist heute so ein Tag wo ich denke; nein das geht gar nicht heute….

Absagen war einfach keine Option. Darf ich bei einem neuen Termin (doch) wieder in den Genuss der Panik/ Angststeigerung kommen. Das kann ich mir ersparen, wenn ich jetzt hier bleibe und warte. Warten auf das dran sein, warten auf das aushalten, warten auf das Ergebnis, warten auf das positive ich habe es geschafft Gefühl.

Ich selbst, schwebend ganz nah neben mir. Versuche den Körper, meine Außenhülle zu fühlen, aber er ist nicht da und doch sitze ich und harre brav aus, bis ich an der Reihe bin.

Warten ist das schlimmste… nacheinander kommen andere Wartende dran. Immer wenn ich die Schritte der InDASBehandlungszimmerBittenden Ärzte oder Schwestern höre, blicke ich auf, in der Hoffnung aufgerufen zu werden um diese unendliche Qual des Wartens beenden zu können und dann in die nächste Stufe der Aus- Haltungen zu gelangen.
Doch ich muss mich gedulden, das Sein und mein nicht- Körpergefühl aushalten. Seltsam denken meine Gedanken, fühle mich nicht und doch treibt die Angst mir Tränen in die Augen, schnürt mir die Kelle zu. Ich sitze da, ruhig fast gelassen sehe ich mich. In meinem Kopf, in dem ich gerade nicht sitze, ist ein Chaos. Bestehend aus Ur- Mist, Bilderfetzen, undefinierbaren Gerüchen und Geräuschen, die nicht da sein können. Weil ich nicht zu Hause, in mir, bin und mir im Moment keine Sinnesorgane zur Verfügung stehen.

Hier im unwirklichen parallelen Nebenraum des Wartezimmer bin ich allein. Alle scheinen fest gebunden, an ihr Sein. Befreie nur ich mich vom realen Raum um hier nicht sein zu müssen? Wie unpraktisch sagen meine schwerfälligen Gedanken.

Ich wende meinen Blick ab von den anderen Mit- wartenden und mir, schaue die pink/ violetten Tulpen auf dem Tischen, in einer Glas Vase, an. Wasserperlen an den Stängeln, wie schön.

Acht Orchideen stehen je zu zweit auf einem Fensterbrett, also vier Fenster, in Gedanken gehe ich Zahlen durch um einen Zusammenhang der Sitzbänke (vier) und den Orchideen zu bekommen. Doch gibt es scheinbar keinen. Mir ist bewusst, dass ich mein Sehen ablenkend lenke, weil ich das Warten so unerträglich finde…

Nehme kaum noch die Umgebung war, auf einmal ein Riesengroßer Schatten über mir, fast bedrohlich, ich zucke zusammen, nicht nur innerlich, peinlich.
Der Schatten spricht. >>Frau… Guten Tag, sie dürfen jetzt mitkommen…<<
In Sekunden werde ich in mein Sein, meine äußere körperliche Erscheinung zurückgeschleudert. Schwindel überkommt mich, stehe zu schnell auf, alles was auf meinem Schoss lag viel zu Boden (Handy, Buch, Schreibuntensilien…). Peinlich berührt, so viel ihrer Zeit zu verschwenden, klaube ich schnell alles zusammen. Registriere noch das mein Jacke nicht da ist. Mache eine Gedankennotiz an mich selbst: Nachher nicht vergessen, hängt vermutlich an der Garderobe.
Gebe der Ärztin die Hand, mit einem erzwungenen lächeln und einem Guten Tag trotte wie ein Lamm vor seinem Ende hinter ihr her.

Im Behandlungszimmer reise ich mich zusammen. Nehme alles wichtige wie Taschentücher (um eventuelle hervorbrechende Ozeane aufzufangen) Elefanten Plüschtier (zum dran fest halten und zerknautschen) aus meiner Tasche und setzte mich. Kurz kommt der Gedanken wie komisch es aussehen muss, wenn ein Erwachsener Mensch ein Plüschtier in der Hand hält. Doch ich brauche das irgendwie und es ist mir egal was andere denken. Es beruhigt mich zu Wissen, dass ich mit der Peinlichkeit des kleinen Elefanten umgehen kann. Bei ihr geht das schon gut, ich werde mir bewusst das ich ihr vertraue und das zulassen kann. Ein kurzes Gefühl es-fühlt-sich-ok-an und von Beruhigung überkommt mich.
Doch dann werde ich mir der Situation -Zahnarzt- bewusst und die Panik haut mich fast um. Gut das ich schon sitze.

Die liebe Ärztin schaut mich an und fragt: „Ist etwas passiert? Sie sind heute weniger gelöst als das letzte Mal… „. Brüchige Worte verlassen meinen Mund und ich höre mich sagen: „… an manchen Tagen geht es und dann wieder nicht, heute ist so ein NichtGehTag… „.

Weiß nicht was sie dann noch sagte, die Automatisierung von Mund auf machen, atmen einstellen und ausharren trat ein und ich flehte und hoffte in mir, dass alles gut würde. Nach nicht einmal (denke ich) fünf Minuten, durfte ich aufstehen. Alles in Ordnung. Froh, Glücklich fast heiter bedankte ich mich und hoffte innerlich, dass ich die wirklich liebe Frau erst in ein paar Monaten wieder sehen würde.

Bei der Rezeption versorgte ich mich mit einem neuen Termin und warf noch einen kurzen Blick zu den Wartenden und rief ihnen leise zu:
…ist nichts schlimmes ihr schafft das, alles Gute euch alle .

Laufe, stürme, immer mehr Stufen auf einmal nehmend die Treppe runter. Unten angekommen fällt mir erst meine fehlende Jacke ein! Danke an meine nicht funktionierende Gedankennotiz, denke ich mir, während ich den Fahrstuhl nach oben nehme und als mein Blick auf die Etage (vier) fällt, frage ich mich ob die vier hier wirklich nur ein Zufall ist…Eingang Zahnarzt zweite Tür vom Fahrstuhl aus, zwei Orchideen pro Fenster, zwei Fahrstühle…

3 x 2= 6

vierte Etage, vier Sitzbänke, vier Fenster…

3 x 4= 12
= 6 x 12= 72
Zwei Sprechstundenhilfen, Drei Ärzte, Fünf Patienten:

2x 3x 5= 30
= 72- 30= 42 passend gebogen 😉 )
ich und Zahlen denke ich und springe, ohne etwas vergessen zu haben, nach unten, die Tür fällt hinter mir zu und ich bin (erst einmal) wieder befreit.

copyright by Miss Tueftelchen

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