💭Gedanken fangen

Möhrenkuchen

Kuchen backen gegen das schlechte Gefühl in mir. Kuchen backen oder Kekse zum glasieren der pausenlosen wirrwarrGedanken. Gegen: die Bilder im Kopf, die Gerüche die in mein Hier sein fließen, das wegziehen aus dem Heute in das Damals, das mir so fremd und fern ist.
Ich stehe auf, mit einem überladenen Kopf, weiß nicht mehr wie_wo_wann ich darin, hingefallen bin aber ich bin da.
Krame Backbuch und Ordner heraus. (Beide befinden sich sehr weit oben im Küchenschrank, weil diese Rezepte die einzigen sind die wirklich regelmäßig- oft Verwendung bei mir findet. Ich bekomme fast ein schlechtes Gewissen weil die Kochbücher so unbeachtet sind/ bleiben werden).
Ich begebe mich auf die Suche nach einem Rezept. Zwinge mein gedankenverworrenes Sein in die Rezepte zu versinken. Ich weiß ich brauche sehr hohe Ich- Sein Konzentration, damit es gelingen kann, was ich mir an Backwerk vornehme.

Auswählen, was mir nicht leicht fällt, die Seiten blättern von allein, meine Hände machen Aufzeichnungen, Seitenzahlen, Rezeptvorschläge, was ich machen soll_möchte_will. Ich weiß nicht warum, aber ich wähle einen Karottenkuchen, vielleicht wegen Ostern.
Mein Denken grübelt: Ostern und Karotten wie gehört das zusammen? Weil Hasen Möhren mögen, könnten?
Ich muss das Rezept nicht abschreiben, weil der ausgesuchte Kuchen von einer virtuellen Backseite stammt. (Hatte ich mir wohl irgendwann mal ausgedruckt aber noch nie umgesetzte). Ich Erinnere mich daran, dass das Möhren reiben mich immer abgehalten hat. Doch heute möchte ich das, es fühlt sich richtig an. Und ich weiß ich werde es schaffen. Ich kann Karotten reiben, ohne das Gefühl zu bekommen überfordert, mit der Menge, der Aufgabe zu sein. Sage zu mir selbst; das mich Wurzelgemüse reiben nicht stressen wird, ich rede mir ein zu glauben es schaffen zu können, denn warum auch nicht? Zuversicht erreicht ein wenig mein sein und ich bin schon etwas ruhiger… ich fühle das tut gut, gerade jetzt, gerade hier… ich kann das gut fühlen spüren, außergewöhnlich selten, schön.

Ich überprüfe meinen Backbestand, es müssen immer Grundlagenzutaten da sein. Das Wissen darum beruhigt mich. Denn backen ist wie Therapie, ein mich beruhigen können, eine Fähigkeit mich selbst zu mir zu holen, wenn ich drohe so weit weg zu sein, in mir.
Ich bemerke das mir Eier, Puderzucker, Margarine und für das Rezept Frischkäse fehlen. Ich überlege kurz ob ich ein anderes Rezept auswählen sollte, damit ich nicht noch einmal los muss. Doch wenn ich überschlage wie lange ich brauche um wieder auf Rezeptsuche zu gehen, kann ich auch noch schnell die Zutaten besorgen.
Ich schnappe mir das Rezept, bemerke das ich eine Hose anziehen sollte und einen warmen Pullover. Denn der Wind da draußen droht die Welt davon zu wehen und ich möchte doch noch gerne bleiben, denn gerade jetzt im Moment hab ich in meiner Verlorenheit ein Ziel: einen Kuchen zu backen, für Kollegen, Freunde, Menschen die mir lieb sind.
Beim greifen nach den Autoschlüsseln überlege ich, ob ich in meinem Zustand fahren kann, sollte ich lieber das Rad nehmen? Oder zu Fuß gehen. Wieder so einfache Entscheidungen zu treffen und ich bin unfähig sie zu erwählen. Ich Grenze es ein auf Rad und Auto. In Ermangelung einer Münze nehme ich eine Gutscheinkarte, werfe sie in die Luft. Fällt der Wert nach oben nehme ich das Auto. Sie fällt und entscheidet für mich- ich muss nicht das Rad aus dem Keller schleppen, ich darf das Auto nehmen.

Ich fahre auf den Parkplatz. Suche eine extra breite Lücke und parke sicher ein. Ein kurzer Moment des -über meine Fahrfähigkeit freuen- lässt mich das Chaos der vorangegangenen Stunden kurz vergessen. Vergessen, bin ich wieder beim vergessen. So schnell am vergessen. Will ich deswegen backen, um zu vergessen. Es auszulöschen? Ich vermeide das weiter drüber nachdenken, packe meine Tasche halte mich daran fest und schiebe meinen Körper zu den Einkaufs(schieb)Körben. Kurz bekomme ich Panik weil ich glaube das Rezept auf dem Tisch liegen gelassen zu haben. Schiebe die Hand in meine Jackentasche, nichts. Mist, keine Panik, andere Tasche. Da ist es zusammengeknüllt. Wie nicht mehr nötig. Aber ich brauche das Rezept, brauche es um halt zu haben, wenn ich eindringe in die belebte Einkaufsstätte, die mich maßlos überfordern wird. Ich schäme mich fast, weil das Einkaufen von ein paar Lebensmitteln mir schon wieder solche Schwierigkeiten macht. Einkaufen macht mir Angst. Zu viel was da auf mich einwirkt und zu wenig Schutz. Die Menschen schieben sich an mir vorbei. Sie packen ihre Körbe voll und haben keine Probleme und ich bin fast aufgelöst. Jemand rempelt mich unsanft an, vielleicht ein Ellenbogen. Die Luft presst sich aus meiner Rippe bzw. über den Druck der Rippe aus meiner Lunge. Der Schmerz plötzlich da, reißt mich zurück ins ich-mich da sein und ich schaue auf den Rempler, fast dankend. Er entschuldigt sich, als er meinen Blick bemerkt und ich stottere Buchstaben aus mir heraus, ein: macht nichts, ist ja nichts passiert. Meine Stimme ist weit entfernt, brüchig, ausgetrocknet, als hätte ich schon Jahre nicht mehr gesprochen. Der Tag ist noch nicht alt und ich habe das Gefühl seit dem letzten Ich- Sein um Jahre gealtert zu sein. Bin ich nicht, weiß ich. Meine Uhr sagt mir das Datum, den Wochentag und ja auch die Zeit und da ist alles gut, die Zeit ist im erträglichen Ausfallrahmen und ich freue mich innerlich über meine Uhr. Gedankenverloren schaue ich in meinem Korb. Möhren sind schon da, gut, ich erinnere mich wo das Backzeugt hier steht und setzte meinen Weg endlich zielstrebend fort. Sammle Puderzucker (im Karton, nicht einzeln 😉 ) ein, überlege noch wegen einer Nougatbackzutatenpackung für evtl. Revolutionäre Einflüsse in der Küche (abändern des Rezeptes). Entscheide mich aber im Rezeptnormrahmen zu bleiben.
Schaue auf meine Liste. Frischkäse fehlt noch und Eier.
Frischkäse könnte im Kühlregal sein, glaub ich. Gehe suchend die Angebote ab, kühl und angenehm ist es hier. Wurst, Käse, Fertiggerichte, Aufstriche und körniger Frischkäse, stoppend bremse ich mein Gefährt(e)korb und überblicke das Angebot. Suchend nach Frischkäse. Meine Güte denk ich mir. Was davon ist Frischkäse? Es gibt diesen Körnigen da steht das richtig drauf (also Frischkäse). Dann -[einfügenMarkenname]- da steht nichts drauf von Frischkäse, einen Morgenaufstrich auch zum Kochen, das könnte ja der richtige sein aber Frischkäse steht da auch nicht drauf. Innerlich zusammenklappend weiß ich nicht was ich nehmen soll. Was ist denn Frischkäse? Ich zweifle ob das überhaupt das ist was ich denke. Frischer Käse wird es ja nicht sein. Ich überfliege das Rezept um zu verstehen wofür ich den brauche und entscheide für mich, dass es schon was zum Schmieren ist. Wieder schaue ich in das Angebotsregal. Tendiere schon zum -[einfügenMarkenname]-, greife nach einer Packung, die rutscht mir natürlich weg. Greifen geht wieder nicht richtig, Mist. Die Packung fällt und ich versuche sie zu fangen ohne Erfolg. Sie fällt zum Glück nicht auf den Boden sondern in die unteren Angebote. Dabei verschiebt sich ein leerer Karton und darunter fallen mir weitere Frischkäseähnliche Verpackungen ins Auge. Und ich glaub es kaum, da steht richtig Frischkäse drauf. Super das passt denk ich und lege die abgestürzte Packung zurück. Ich schiebe den leeren Karton ganz beiseite und erkenne drei Sorten. Kräuter (die schon mal nicht, ist klar), eine blaue und eine hellblaue (die wie ich vermute irgendwie light ist) welche soll ich denn jetzt nehmen? Da ich es nicht weiß nehme ich beide und entscheide für mich, sie später zu mischen. Ist ein Kompromiss. Die Eier fallen mir ein, weil ich Schokoeier sehe. Die Brauch ich ja auch noch. Ich setzte meinen Weg fort, und bin entsetzt über mich selbst das ich Kompromisse bei der Wahl des Frischkäses finden muss. Wie seltsam das ist, wie seltsam ich bin. Kopfschütteln greife ich nach den Eiern. Ja auch hier verschiedene Angebote. Doch die Beschädigungen der Packungsinhalte schränken meine Wahl so sehr ein, das ich quasi keine mehr habe. Die Freude der hier schnellen Entscheidung wird direkt von dem traurigen Umstand überlagert, dass so viele Eier umsonst gelegt wurden weil die nun niemand mehr nutzen kann. Das macht mich dermaßen traurig das ich fast weinen muss. Ich bin einfach geradezu emotional für so was denk ich mir und atme tief durch.
Ich hab alles endlich- schnell zur Kasse und hier raus.
Ziemlich durcheinander von den ganzen eindrücken, kehre ich in mein allerliebstes Lieblingsauto zurück und freue mich, dass es gleich los gehen kann (und das ich nach dem erneuten Einkaufsdrama fähig bin auch nach Hause fahren zu können).
Ziemlich forsch beobachte ich, wie ein ich in eine Parklücke ein navigiere, möglichst weit weg von den Bergahorn Bäumen, wegen dem Wind der noch immer die Erdoberfläche davon reisen möchte. Vielleicht zu recht denk ich beiläufig, denn wie sehr schätzen die Menschen denn das vorhanden sein dieser, ihrem LebensErhaltensMöglichkeitsRaum?

Unkoordiniert krame ich aus der völlig überfüllten „Handtasche“ meinen Wohnungsschlüssel, es geht mir alles zu langsam. Ich will schnell nach oben und anfangen. Die Tüte rutsch mir vom Arm und fällt Oh Gott denke ich die Eier!, ich greife nach der am Boden liegenden Tüte und erkenne das die Eier da nicht drin waren, wo sind die dann? Egal erst mal hoch gehen aufschließen, Tür zu machen und auspacken die werden schon da sein.

Das Rezept fummle ich aus meiner Hosentasche und hefte es an meine Klammer über der Arbeitsfläche. Ich suche die Utensilien zusammen, Waage, Schüsseln, Reibe, Rührgerät und Zutaten. Ich hab alles, ich darf anfangen. Ich bin unsicher ob ich nach der Einkaufspassage noch die Konzentration finden kann. Entscheide mich dafür, einfach weil mein Kopf noch immer überflutet ist von all dem unmöglich, unbegreifbaren und ich nicht die Kraft habe da hin zu schauen, das auszuhalten und mich dabei nicht zu verlieren, ich muss jetzt hier etwas tun. Mit meinen Händen, mit dem Körper mit dem Kopf in Konzentration, um da zu bleiben, hier, in der Küche, hier im sein und im Leben, jetzt.
Mit dem Kartoffelschäler schäle ich die Möhren. Mein Blick auf der zwei Kilogramm Packungseinheit sagt mir ich brauche nur ein Viertel davon. Wieder viel zu viel, aber vielleicht gab es keine kleinere. Ich schäle und schäle, und hab das Gefühl etwas abzustreifen von mir, etwas wegzuschaben. Es ist ruhig. Keine laute, mir zu ruhig, der Kopf zu laut, ich brauche Melodien, Musik, Ohrablenkungen. Radio mag ich grade nicht. Ich gehe ins Wohn(ähnliche)zimmer starte meinen Laptop und suche mir auf -[einfügenVideoplattform]- „Starbomb“ raus. Gehe wieder zum Möhrenschälen und lausche der Musik, zu weit weg, begreife ich, hör es kaum. Denke Laptop kann man bewegen. Wasche mir den Möhrenmatsch von den Händen und hole mein tragbares allroundgerät in die Küche. Wo hin stellen? Ist die nächste Frage. Kein Platz. Entscheide mich für einen wackeligen Standort auf dem Kühlschrank und dort auf einem Plastikkorb. Denn die Lüftung braucht ja, kein Sauerstoff aber Zirkulation dessen was im Raum unsichtbar als Luft da ist.
Meine Aufmerksamkeit richtet sich wieder auf das Backwerk, noch schälen und anschließendem reiben der Möhren.
Fertig gerieben, habe ich mehr als das Rezept vorgibt. Aber das ist nicht schlimm, denn ich möchte statt einer Springform sowieso das Blech nehmen. Ich krame den Taschenrechner heraus und berechne dank Dreisatz die Zutaten neu und bin froh das mir der Dreisatz, in meinem vergessen, nie abhanden gekommen ist, denn ich brauche diese Mathematische Grundoperation wirklich sehr oft.

Neu berechnet gehe ich Rezept- getreu vorwärts und schütte alles zusammen. Erst Zucker, Eier (wo ich nun laut neu Berechnung 6,6 brauche. Ich bin wieder am hin und her überlegen am Entscheiden. Ich frage meine, gerade von Arbeit eintreffende mir nahe, Mensch, was diese machen würde. Die Gegenfrage ist: „Was machen Eier denn? Zusammenhalten…?“ Während ich darüber nachdenke, entdecke ich eine große Eierschale in meiner Rührschüssel, diese bergend, überschlage ich mein mathematisches Rundungswissen und entscheide mich für 7 Eier. [Die Eierschale hab ich auch mit Einzelheiten erfolgreich entfernen können]). Mixend schütte ich noch Möhren und Oel hinzu und bemerke das die Schüssel zu klein sein wird, wenn noch Mehl hinzukommt.
Suche mir eine größere Schüssel, schütte alles um und gebe das Mehl hinzu. Ich bin Konzentriert- bemerke ich. So konzentriert das ich vergessen hab den Backofen vorzuheizen und das Backblech einzufetten.
Egal kann das jetzt noch machen.
Die Teigmasse kommt mir zu flüssig vor. Frage mich ob ich mich verrechnet habe. Glaube zu Wissen das es so sein muss- so flüssig.
Unerfahren wie ich bin, schütte ich einfach pi mal Daumen Speisestärke dran, kann ja nicht schaden. Mixe das noch ein wenig unter und nachdem die Teigrührgerätharken sich nur noch schwer bewegen können, stoppe ich das zusammenmatschen und gieße die Teigmasse in das nun eingefettete Backbleck und ab in den Ofen.

Doch welche Stufe nun wählen? Welche Backart, wie Umluft oder kombiniert oder nur Ober und Unterhitze. Der Backofen ist ein seltsamer Zeitgenosse. So dass ich mich nicht festlegen kann. Daher wähle ich erst mal Unterhitze kombiniert mit Umluft so 180°. Später werde ich runter gehen und nur Umluft einschalten.
Der Kurzzeitwecker wird aufgezogen und ich bin gespannt was sich da wieder zusammengebacken habe.
Die Küche gleicht einem Kampfschauplatz. Der Kampf mit meiner Konzentration, mit den Zutaten, den Utensilien. Nun ich hoffe: der Kuchen wird der Sieger oder die Siegerin. Wer weiß.

Abwaschend denke ich darüber nach, wie das mit der Glasur (oder was das ist) gemeint ist. Ein „Frosting“ aus Frischkäse. Ist das überhaupt haltbar? Muss der Kuchen dann in den Kühlschrank? Wann soll ich das denn am besten aufbringen? (Ja, klar wenn der Kuchen kalt ist, aber hält sich das auch) Ich habe keine Ahnung und begreife das ich hier einfach mal schauen muss was passiert. Die Wortzusammensetzung Frost-ing assoziiert mir schon, das ich das nicht zu warm stellen sollte. und da ich keinen „Tadis“– Kühlschrank besitze werde ich das Frischkäse Frosting morgen aufbringen.

Der Kuchen ist in der Zwischenzeit fertig gebacken, ich glaube das er gut geworden ist. Meine liebster Menschen wird vielleicht ein Stück testen, mal sehen…

Möhrenkuchen

Jetzt nachdem der Kuchen fertig ist, fühle ich mich besser. Ich bin wieder etwas konzentrierter, etwas mehr in mir- bei mir. Zumal ich das Gefühl habe, das mir der Kuchen wirklich gelungen ist. Meine liebster Mensch hat ein kleines Stück probiert und gemeint, dass der Kuchen okay ist. Das ist ein nahe zu sehr gutes Urteil, weil besagte MenschenPerson mit Lob und guten Bewertungen sehr geizig umgeht.

Meine wirren Gedanken sind nun wieder bei mir und ich bin so unsicher, innerlich zerrissen, aufgewühlt, wie vor ein paar Stunden. Ich falle wieder in das neben mich und schaue mir selbst zu, ich kann das nicht leiden, ich mag das nicht. Doch ich kann oft nichts tun, das mich festhält im Dasein. Backen hat mir heute etwas Zeit zurück geschenkt… Dankbar schaue ich auf den Kuchen und freue mich das ich ihn weiter verschenken kann kann…

… mal sehen was ich das nächste mal backen werde..

copyright by Miss Tueftelchen

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