💭Gedanken fangen

ich hab rücken [*1]

Es war ein wunderschöner Morgen, ein zauberhafter, erwachender Start in einen neuen Tag.
Endlich fühlte ich mich wieder >wie im Ganzen ich eher zerpflückt und es war schwer, die LebensRealität auszuhalten.
Doch heute, an diesem Tag war alles wunderbar und ich fühlte mich voller Kraft und Tatendrang. Es ging mir einfach mal wieder richtig gut.
Und ich konnte das spüren, bis in mich hinein… es war ein kleines Wunder für mich…

Doch dann…

…eine falsche Bewegung und ich konnte mich nicht mehr bewegen… ein knacken im Rücken, Schmerz explodierte.
Freute mich irgendwie noch, dass ich das wahrnehmen_spüren konnte, dass es fühlbar war. Doch dann schlägt die Tatsache zu, das so ein knacken im Rücken alles andere als Lustig ist…
Ärger über den unzuverlässigen Körper, lässt mich eine Weile über den Dingen stehen und ich führe meine Arbeit so gut es geht weiter aus…
Rufe beim Hausarzt durch…
„Heute haben sie doch nur bis Mittag Sprechstunde?“…
Die Sprechstundenhilfe grummelt etwas ins Telefon und ich spüre, dass sie mich wieder zur Vertretung schicken will… harke noch mal nach (ganz untypisch für mich), ob ich dennoch vorbei kommen könnte?… ist ja nur Rücken… sie eiert weiter rum, doch am Ende darf ich um die Mittagszeit dort aufschlagen…
Gut denk ich mir, bis dahin halte ich das jetzt noch durch…
… es ging fast gut, doch dann konnte ich mich kaum noch aus meiner gebückten Arbeitspose aufrichten.
Ich schleppte meinen streikenden Körper zu meinem Fahrzeug und fuhr erst mal nach Haus. Kleidung tauschen, duschen… und dann noch ein wenig Zeit verbringen mit abwarten, das ich zum Arzt aufbrechen konnte… fühlt sich schon schwammig an, das Ich.

Ich breche auf und bereite mich innerlich auf den Hausarztbesuch vor. Auf das wartende Wartezimmer, die Menschen, das eingeengte sitzen, das knistern von Zeitungen, Husten, Schniefen, Lärm von draußen… das ganze WartendBeimArztPacket.
Gedanken nachhängend bremse ich abrupt. Rücken meldet sich, doch eine spontane Parklücke tat sich auf, da kann ich auf Rücken keine Rücksicht nehmen. Denn das ist, ein mehr als gewöhnlicher Umstand, der mich im Moment sehr freute.
Beim Arzt angekommen darf ich nach obligatorischer Begrüßung im Wartezimmer platzen…und da, da beginnt das Drama…

….warten… denk noch; gut drei Menschen vor mir da… hab ja mehr oder weniger einen Termin, wird also nach den dreien los gehen…

Einer nach dem anderen kommt dran… neue Patienten kommen (und das nach Sprechzeitenende…die Ärzte tun mir Leid, weil sie auch zu viele Patienten haben und dann auch noch mich, heut…)

Ich lese in meinem Buch… kann nicht mehr sitzen… lese…schaue mich um… lese…
Der Kopf zieht mich weg und die Schmerzen lassen mich nicht mehr sitzen bleiben.
…stehe auf… laufe… werde schief angeschaut… setzte mich wieder…
SchiefanschauendImMittelpunktStehen brauch ich jetzt echt nicht…
…sitze wieder…warte…
Die Wartezimmermelodie legt sich dröhnend, hämmernd und echt extrem, wahnsinnig, beruhigend auf meine Hirnrinde… kann kaum noch klar denken… bin kurz vor einer extrem Panik…
Merke das ich die Körperteile nicht mehr unter Kontrolle habe, zitternde Hände, wackelnde Beine und innerlich ankämpfen gegen ein Wippen mit dem Oberkörper, (wirke ja schon irre, muss das jetzt nicht noch mehr raus hängen lassen)…

…ein knarzen in der Sprechanlage…

Volle Hoffnung lausche ich dem Namen, aus Angst meinen zu überhören, frage mich kurz wie ich heiße.
Panik, kann mich kurzfristig nicht erinnern… a
Andere Name wird aufgerufen…Tränen schießen mir in die Augen… halte das alles kaum noch aus…

Mein Blick fällt wieder auf die Pinnwand, bin erstaunt über den Umstand, das ich die kleine Schrift von meinem Platz erkennen und sogar lesen kann.

Meine Wahrnehmung verschiebt sich, immer mehr in Richtung
ich nicht mehr vorhanden… auflösend… fallend.
Überlege, ob ich die Schwestern um Hilfe bitten könnte_sollte, weil ich gerade in eine Krise falle… doch der Mut fehlt… kann nicht um Hilfe bitten- Nie, Nie, Niemals!
Lese an der Pinnwand die Nummer vom Krisentelefon… überlege schwerfällig, ob ich da anrufen kann und ob es dort angepint ist, weil sie Wissen das Patienten durch die ewige Warterei in eine Krise fallen können… meine Gedanken denken NEIN und ich stimme zu…
…so eine Krise ist da wohl nicht gemeint.

… undefiniert, chaotisch, entrückt von mir selbst, höre ich ein Mädchen rechts von mir mich ansprechen; sie glaubte ich sei dran…
… ich hoffe, wische die peinlichen Tränen aus den Augen und bedanke mich schüchtern. Um dann wankend auf die Beine zu kommen und mich schnell am Regal zu stützen… taumle aus dem Wartezimmer Richtung Untersuchungszimmer… alles um mich nicht mehr wahrnehmbar… eine Schwester steht in der Tür…sagt was von Kleidung ausziehen… ich denk Nein das kann ich nicht setze mich auf einen Stuhl und warte…warten…wart…
Die Tür geht auf, die Ärztin kommt herein und ich…
Ich wart ent_ver_schwunden, hab nicht ausgehalten, das unaushaltbare Warten…zu viel einfach zu viel …

…nach späteren auftauchen wird mir klar, dass dieser Besuch meine hart erkämpfte Stabilität wieder zunichte gemacht hat… einfach so.

Ich hatte ein paar Stunden ein ich fühle mich supergut und dann alles wie_dahin_ und zurück bleibt die kurze Erinnerung an Zuversicht.

Ich fühle die Hoffnung, prickelnd, lebendig es kann (WIRD) wieder so sein, vielleicht morgen, vielleicht bald, in ein paar Tagen…heute…


[*1] „ich hab rücken“ = Standardsatz in meinem Berufsfeld 😉

copyright by Miss Tueftelchen

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