🦄phäno(r)mal

Asphaltflechte #1

Meine KontaktMenschMitbewohnerin (von einst damals) bat mich ein Paket von einer Poststelle abzuholen.
Ich erklärte mich bereit, denn so ein wenig Radfahren, könnte mir gut tun, dachte ich, (also die Aktion an sich stellte kein Problem dar).

Der Weg war nicht weit.
Der frostige Winterwind blies mir, mit einer enormen Kälte, entgegen. Gesicht und Hände wurden so schnell Eis-(lecker)-kalt, dass ich es fast mit der Angst bekam. Sollte ich die Finger bewegen, könnten sie ungünstiger-weise vielleicht einfach abbrechen und im Straßenmatsch verloren gehen. Was mehr als fatal wäre und den Grund der Unternehmung nicht rechtfertigten würde.
Also kurz um, ich bereute schon ein wenig, noch mal raus gegangen zu sein, für so ein doch irgendwie blödes Päckchen..
Nun ja, nützt nichts, einmal unterwegs dreh ich auch nicht mehr um.
Sie freut sich ja auch auf das, was da auch immer drin sein mag.

Beim Paketshop angekommen…
…schließe ich mein Fahrrad an, nehme Beleuchtung ab und trete, mit einem Klingeln an der Tür, ein.
Von hinten kommt ein; Moment ich bin gleich bei ihnen… und ich rufe lächelnd zurück… hat keine Eile, ist ja schön warm hier… .
(Als ob die nette Stimme, das Lächeln hätte sehen können…automatisierte = überflüssige EmotionsGesichtsRegungen)
Eine freundlich ausschauende Frau kommt nach vorn und nimmt mir den Zettel mit der Benachrichtigung ab.
Sie fragt mich ob ich Frau anonymous bin.
Ich überlege ob ich jetzt einfach
Ja…
sagen soll.
Doch der Gedanke an einen Personalausweis, denn ich ja vergessen haben könnte, lässt mich dann doch bei der Wahrheit bleiben.
Die Dame tippt auf die Rückseite der Karte und meint, dass hätte die Frau anonymous ausfüllen müssen. Sie teilt mir freundlich mit, dass sie mir das Paket leider nicht aushändigen kann.
Ich schaue ziemlich beträufelt vermute ich, was ich in dem Moment auch war; förmlich zu Boden gegangen von der Tatsache, nun völlig ohne Grund da hin gefahren zu sein.
Ich bedanke mich für die Informationen und begebe mich zum Ausgang.
WinterflockenSchneewehengleich bläst mir der frostige Wind entgegen und ich höre die Frau noch rufen; dass es ihr Leid tut und wir einfach beim nächsten mal an die Rückseite denken sollen… dann verlasse ich mit Glöckchen klingeln die Sekundenwärme der Posthallen.

Die lausekalte WinterStadtWelt begrüßt mich wieder.
Mein Schlüssel hat sich derart am Rucksack verheddert, dass ich das Fahrradschloss nicht richtig erreichen kann und beinahe Panik bekomme weil ich es nicht aufbekomme. Ich fummle und hantiere und drücke und…(verzweifle)… und …(wüte)… und…(flehe)… und irgendwann geht der Schlüssel rein, schließt nicht! FUCK!!! denk ich in mich hinein… und fühle mich schon wieder nahe eines Nervenzusammenbruchs…doch dann…
… dann geht es… einfach so.

Ich packe meinen Drahtesel, stecke die Beleuchtung auf; meine Tasche in den Korb und fahre zügig los, denn ich will endlich wieder nach Hause!

Fädle mich in den Verkehr ein, halte mich sehr rechts um die Straße nicht noch mehr zu blockieren.
Parkende Autos auf der rechten Seite zwingen mich dazu, mehr in die Mitte zu fahren! Da dort aber Straßenbahnschienen verlaufen, fahre ich etwas mehr, mittiger, neben den Schienen, denn die machen mir als Radfahrer schon ein wenig Angst.

Plötzlich, hab es gar nicht richtig bemerkt, streift mich links ein Fahrzeug.
Ich kann mich zwar abfangen, falle deswegen nicht gleich. Doch nun ist mein Vorderrad der Ansicht, doch in die Schiene zu rutschen.
In einer Zeit verzögernden Sekunde falle ich und versperre die Straße.

Etwa drei Fahrzeuge die hinter mir fuhren, sahen in meinem Asphaltknutschen keinen Grund zu Besorgnis und fuhren in einem schwungvollem Bogen einfach an mir vorbei.
Unglaublich Kopfschüttel, jetzt gerade hier beim schreiben.
Während ich erst einmal die Tatsache zu verdauen hatte, dass ich auf der Straße der Tatsachen lag, erkannte ich die Rücklichter eines vorbeifahrenden Gesetzteshüterfahrzeuges. Im ersten Moment war ich unglaublich entsetzt, das die nicht gehalten haben. Doch als ich erkannte, dass diese den gleichen Weg einschlugen wie das Fahrzeug, das mich gestreift hatte, war ich (so naiv wie ich bin) in dem Glauben, dass sie den Unfallverursacher verfolgen würden.
(Ohne Sirene, schnellerer Fahrweise oder sonst einer Verfolgungstypischen Eigenschaft). [*1]

Ich griff nach meinem verteilten Krempel und versuchte mich aufzurichten. Ein Fahrzeug hielt nun doch an und versperrte so die Straße, dass ich in Ruhe meine Teile und das mich aufsammeln konnte. Der Fahrer stieg aus und fragte ob ich Hilfe brauche und ob ich verletzt sei. Ich schüttelte nur den Kopf. Sprechen ging nicht, ich war irgendwie so sehr schockiert_verwirrt_entsetzt.

Vom Fallen bis zum Neustarten waren vermutlich nur Sekunden vergangen…

Ich stand wieder über meinem Drahtesel, überprüfte die Beleuchtung, stellte die Pedale ein und machte Anstalten zum losradeln.
Als mein Blick von einem Loch in meinem Handschuh festgehalten wurde. Unglaublich emotional spüre ich wie Tränen in meine Augen schießen. Ja, wirklich schießen und nach außen fließen wie reißende Ströme. Ein Loch, in meinem so super coolen Handschuh, das fällt mir schwer zu verstehen.

Und in meinem Kopf wird die Tatsache laut, das ich gerade knapp einem extremen Unfall entkommen bin und wie viele hätte_würde_könnte_wenn Möglichkeiten da bestanden hatten und jetzt steh ich nur da und flenne über einen Handschuh für geschätzte fünf Euro, während ich gerade fast überfahren wurden wäre…

Sind mir fünf Euro Handschuhe wertvoller als mein Leben? Das ich, hätte ich es dort verloren, nicht einfach wieder ersetzten können… [*2]


[*1] Verfolgungstypische Eigenschaften= kann ich so auch nicht benennen ich würde aber sagen, dass sind die Merkmale die darauf schließen lassen, das ein jemand einen anderen Verfolgt…. wie z.B. Sirenen, wildes Fahren, Hupen, Scheinwerfer aufleuchten. Keine Verfolgungstypischen Eigenschaften sind es jedenfalls wenn die Gesetzteshüter in eine andere Richtung abbiegen als das mitUnfallVerwicklungsAuto.

[*2]In solchen Momenten werden einem oft Dinge wichtig, die sonst eher nebensächlich sind.
Ich denke der Schock schützt einen, in dem er die wesentliche Tatsache dessen, was gerade passierte, für Sekunden, Tage, Wochen, Monate oder Jahre ausblendet… bis es irgendwann in die Gegenwart tröpfelt und man nicht mehr sortieren_zuordnen kann und man(=ich) Anfängt am Rad zu drehen_so in meinem Fall… und man fühlt sich verrückt bis WahnSinnig… wegen zu vielen vergangenen/gegenwärtigen Schutzmaßnahmen des (m)(d)ich(’s)

copyright by Miss Tueftelchen

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3 thoughts on “Asphaltflechte #1”

    1. Ja das Glück stand da auf meiner Seite… schade das ich mir nicht die Nummernschilder gemerkt hatte von davon fahrenden…

      Aber das man sich solche Details schnell mal einprägen sollte, merkt man (also ich zumindest) erst hinterher…

      Unfassbar beschreibt das nicht handeln von den Gesetzeshütern…
      bin immer noch geplättet davon auch wenn das ganze schon ein bisschen her ist… merkt man ja in dem Blog hats geschneit. 😉

      Gefällt 1 Person

      1. Ach du, ich war so geschockt, dass ich die Tatsache mit dem Schnee ganz schnell vergessen habe..
        In solchen Extremsituationen, ist es ja kein Wunder, dass man vergisst sich das Kennzeichen zu merken..
        Wirklich frech vom „Freund & Helfer“..

        Gefällt 1 Person

MissTueftelchen freut sich auf deine Zeilen

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