💭Gedanken fangen

Das verlorene Jahr der Welt

Über einige mitLeseEcken, bin ich über die Idee von Westendstorie gestolpert und ich finde die schon geschrieben kleinen und großen Geschichten so toll. Alle haben 10 Worte gemeinsam (schwülstig, Klappspaten, Raunacht, Zaubernuss, Blitzzement, Nebelmaschine, Sahnewolke, Pfefferminze, minimalistisch, Gestaltwandler), doch unterschiedlicher und phantastischer könnten sie gar nicht sein. Was aber schreib ich so viele Worte dazu, folgt dem Link und lest selbst, ich kann nur sagen es lohnt sich und wünsche euch viel Spaß und stelle euch hier meine kleine GeschichtenFindung vor.


Das verlorene Jahr der Welt

Orkan gebeutelt fallen, aus dem undurchsichtigem Himmel der bleiernen Nacht, rosa lila Schäfchenwölkchen unaufhaltsam auf die Erdenwelt. Wasserperlentropfen schweben durch die von Feuchtigkeit gesättigte Luft und tropfen in ein Häuschen, in dem, neben vielen, auch Hamamelis[*1] wohnt.
Sie sitzt am Fenster und schaut angespannt_suchend in die tiefste aller Tiefen Schwärze der Nacht.
Ihr blick ist hochkonzentriert und senkt sich nicht, keine Ablenkung lässt Hamamelis zu. Denn wenn das passiert was Hamamelis glaubt und nach all ihren Berechnungen auch passieren wird, ist jedes Leben verloren und dann kann das Dach tropfen wie es will, denn niemand wird mehr da sein, denn es stören könnte_würde.

Das minimalistisch und dennoch majestätische wundersame Häuschen ist keinesfalls in allen Ecken in einem schlechten Zustand. Nur ein kleiner Bereich, nämlich Hamamelis allerliebster Lieblingsort ist der einsamste Teil des kleinen, großen Häuschen. Ein Platz nur für sie, wo sich sonst kein anderer Hausbewohner hin verirrt.
Das Häuschen erzählt ihr Geschichten und sammelt ihre Gedanken auf. Wirklich, die Buchstaben fließen aus ihrem Kopf in die Wände und zurück. So gelingt es ihr logische und nachvollziehbare Folgerungen zu entdecken_finden, die ihr an keinem anderen Orte auf der Welt so gelungen sind wie hier.
Sie spürt die Besonderheit des Hauses ganz deutlich und sicher. Es gibt mehr hier und auf der Erdenwelt, als alle anderen glauben. Eine energetische luftig, flufige Magie war in diesen Räumen einst zu Haus. Vor vielen, vielen Jahren jedoch, gab es einen folgenschweren Unfall[*2], der das Haus in Abschnitten derart zerstört hatte, das von dem wahren Haus und seinen magischen Funken nicht mehr viel zu spüren_erkennen ist. Nur Hamamelis kann das Haus und alles, auch scheinbar leblose spüren.
Sie sitzt nun gerade, jetzt, dort auf einer Fensterbank und schaut weiter unaufhörlich ins unsichtbare Nichts der Welt und wartet auf weitere Zeichen, als eine schwülstige Stimme, mit einem seltsam abgehobenem, schalendem Rufen, die Stille durchbricht und Miss Hamamelis zum nachmittäglichen Tee ruft.

Hamamelis hebt lautstark die Stimme, damit sie auch in dem entfernten Räumen noch zu vernehmen ist und antwortet:

>>Ich kann nicht zum Tee kommen, ich weiß genau das es heute geschehen wird. Es muss einfach so sein.<<

>>Nicht doch, nicht doch Kind, nur ein paar Minuten kannst du dich doch zu uns setzten.<<

Hamamelis liegt nichts am Tee, nichts an Gesellschaft, doch sie weiß sie sollte hinüber gehen. Sie schaut eine Sekunde vom Himmel in das Spiegelbild der Glasscheibe und schickt sich auf Reisen. Sie verwandelt sich in die Moleküle der Luft und fliegt zu den rufenden Teestimmen.

>>Aber Meli,…<< (Meli wie Hamamelis von allen liebevoll genannt wird)

>>Ja, was? Ich bin doch jetzt da…<<

>>Du sollst das nicht immer machen, dieses Gestaltenwandlerdingens oder wie auch immer du das nennst. Das gehört sich einfach nicht und wir haben Gäste!<<

>>Vielleicht aber war es einmal ganz normal und jetzt ist es euch und allem fremd. Ja, ihr müsst mir ja nicht glauben …
… alle Zeichen sprechen dafür, wirklich alle.
Doch ihr seid so festgefahren, als hättet ihr Gehirne aus Blitzzement die einfach erstarrt sind und nicht mehr das sehen was da ist, sondern nur noch das was sie glauben mögen.<<

Wütend, nein Verzweifelt verlässt sie den Raum und hört kaum noch die anderen rufen, dass sie „Das“ gefälligst nicht im Haus und in ihrer Gegenwart tun solle.
Noch wütender schwebt ein Teil von ihr durch die Moleküle der Welt bis er wieder zu ihr findet und in sie hineinfällt, während Hamamelis die ganze Zeit am Fenster saß und keinen Blick verpasst hatte.

Denn heute ist sie, die Raunacht. Nach all ihren Jahrzehnte langen Berechnungen, mit dem einbeziehen des „verlorenen Jahres der Welt“ und anderen wahrscheinlichen Unwahrscheinlichkeiten ist heute, genau heute, der Tag der Tage.
Die Raunacht ist im Sinne des Wortes eigentlich gar keine Nacht, es ist mehr ein Moment, ein Zustand den die Welt einnimmt. Irgendwo zwischen dem Sein und nicht Sein, dem auflösen und zerfließen, dem existieren und unvorhandensein. In den Überlieferungen die sich in den verstecktesten Winkeln der Welt suchen_finden lassen, glaubten die Lebewesen scheinbar, das die Raunacht des Nachts einbricht und nur dann. Hamamelis jedoch hat in ihrem Forschungen und Erhebungen und dem Beweisen von Ahnungen und Vermutungen herausgefunden, dass es auch Tag sein kann. Aber zieht die Raunacht einmal auf, verdunkelt sich die Welt und alle Farben und Kanten, alles wird RauNacht.
Hamamelis vermutet, das in dem „verlorenem Jahr der Welt“ die Raunacht gewesen sein könnte. Nach einem Gefühl, dass aus ihr selbst kommt und mehr als nur einer Ahnung entsprach, wurde damals der Weltenzustand unterbrochen und alles fing genau ein Jahr später an weiterzulaufe.
Die Weltlebewesen beschrieben den erlebten Zustand als normal[*3], alltäglich, alles wie immer. Ein Immer, das es erst seit dem Jetzt- Gerade im damaligen Moment gegeben hatte.
Die Lebewesen erinnerten sich nicht an die 42 Tage des Jahres 848 der Welt. Es fehlte einfach. Keine Aufzeichnungen, kein Dasein, Nichts und selbst davon nichts… nur nicht vorhanden. So das nach dem Jahr 847 das Jahr 849 folgte und kein Geschichtsbuch berichten konnte wann 848 war. Und ganz nebenbei fehlten, auch nachdem Hamamelis länger recherchierte, jegliche inhaltsreichen Aufzeichnungen vor dem Jahr 849. Buchtitel oder andere Titel waren teilweise unvollständig zu finden und dann auch nur in Buchstaben verteilt, doch die Seiten waren blank, leer und niemals beschrieben.
Also fingen die Lebewesen wieder an neu zu zählen, so dass es auch das Jahr 849 nicht mehr gab und mit dem Ersten Jahr die Welt wieder startete. Wie alles auf Anfang, doch für Hamamelis war nichts auf Anfang, denn sie erinnerte sich, irgendwie, an irgendwas doch was kann sie nicht greifen. Denn seit das Jahr Eins wieder anfing, fehlte jegliche Magie, nur in ihr hat sie seltsamer weiße überlebt.
Hamamelis war anders, vielleicht sogar Besonders, sie wurde erboren im Jahre Null. In den Tagen in denen das Erste Jahr anfing und noch keine Eins gezählt hatte. Hamamelis war alt, älter als es ihre Lebensjahre zählte, das wusste sie (auch wenn ihr das niemand glaubte). Ihre Fähigkeit sich zu verändern, sich aufzulösen und in Teilen vorhanden und auf Wanderschaft zu gehen, waren für sie Beweis genug.
In dem Moment in dem sie sich verwandelt, zwar noch sie selbst bleibt und doch auch irgendwie nicht, kann sie die Ränder der Welt fühlen_sehen_hören und nimmt die Stimme der vergangenen Gegenwart_Zukunftswelt auf, um sich mit dem fast Allwissen wieder in sich zu vereinen.
Doch genau dann, ist so vieles in ihr, dass sie sich nicht mehr zusammen sammeln kann und es fehlt ihr die Fähigkeit das Große Ganze, den Zusammenhang zu sehen.
Ein Nebel senkt sich in den Momenten auf ihre chaotischen Gedanken, so schwer und dick, wie von tausend Nebelmaschinen produziert und genau das, passiert gerade in der Welt.
Das sieht sie wenn sie hinausschaut auf die Nebelbänke, die sich zwischen Weltenoben und Weltenunten bilden. Anzeichen der Raunacht, einer Zeit die Nacht_Tag anhält und das ist der Moment, der Hamamelis Angst machen. Lebensangst, denn wenn sie tatsächlich einst in einer_der Raunacht erwachte, würde sie dann in einer erneuten Raunacht wieder verschwinden und mit ihr die letzte Magie der Welt?
Sie fühlt es bis in ihre ganze Körperlichkeit, dass niemand die Welt retten könnte, wenn alles erst einmal angefangen hat. Die Welt die sich nach der Raunacht neu anders, ja vielleicht sogar besser, zusammensetzt.
Der Gedanke ist schön.
Eine neue freundlichere Welt, wäre vielleicht sogar genau das, was das Weltenleben braucht, doch was wenn nicht?

Neben dem Anzeichen der dicken Nebelwände (die wirklich undurchdringlich sind), fangen Tage vor der Raunacht überall zeitgleich Pfefferminzen an zu wachsen, wirklich überall. Pusteblumen wandeln sich in Pfefferminze und erbringen Pfefferminzbonbons in unglaublich unvorstellbaren Mengen, Farben und Formen und doch sind alle aus Pfefferminz.
Das Wissen der Pfefferminze ist ihr vor vielen Jahren, auf einer Reise in Form einer Sahnewolke in ihr Erinnerungsdenken gesprüht und haftete seit dem klebrig in ihrem Wissensschatz, um die Anzeichen der Raunacht.
Die Sahnewolke verband sich mit ihren magischen Synapsen und das Pfefferminzwissen wurde ein Teil von ihr.
Die Lebewesen der Welt sind meist hell auf begeistert und vom Pfefferminzduft derartig vernebelt und vollkommen abgelenkt mit dem Herstellen von Pfefferminz_likör_tee_kuchen_creme_schokolade_oel_Kaugummi_usw., dass nichts mehr wichtiger ist als Pfefferminze. Die Welt hört auf in ihrer alltäglichen Beständigkeit zu existieren und die Lebewesen jagen nur noch der Pfefferminze hinterher.
Unbekannte werden die Lebewesen und die Welt wird unbekannt und dann?
Was ist und sein wird, in Kann und Möglichem macht ihr Angst und sie sitzt noch immer am Fenster und schaut in die raue Nacht.

Im Kopf geht Hamamelis die Zeichen noch einmal Schritt für Schritt durch, in der vagen Hoffnung sich zu täuschen.
Die Pfefferminze wurde vor 24 Tagen zu Invasion und seit 6 Tagen riecht, schmeckt und fühlt sich alles nach Pfefferminze an.
Sie ist froh, das sie rechtzeitig einen Pfefferminz Schutzgraben mit dem Klappspaten, den sie im alten Geräteschuppen gefunden hatte, ausgehoben hatte. Die anderen im Haus hatten ihr zwar Fragen zu ihrem seltsamen Verhalten gestellt, doch ihre teils vom Pfefferminz benebelten Gehirne, ließ sie nicht lange irritiert sein. So das niemand mehr mitbekam, als sie dann auch noch den Graben mit Honigmilch auffüllte, um weiteres über wachsen durch Pfefferminze zu verhindern.
Es hat nur mäßig gewirkt und alle im Haus hatten dadurch immer mal wieder klare Momente.
Vor allem dann, wenn sie sich nach dem Mittag zu einem Spaziergang ums Haus, am Graben entlang bewegten. Dabei wurden ihre Geister zurückgerufen und alle waren zum Nachmittagstee wieder in sich vorhanden, bis sie sich bis zum Abend wieder in Pfefferminzgedanken auflösten.
Hamamelis selbst schien von Anfang an nicht betroffen zu sein. Seit sie das bemerkt hatte, versuchte sie an sich etwas zu finden aus dem sie eine Art Impfstoff, gegen die Pfefferminze entwickeln könnte, doch alle Versuche gingen schief und nun lief ihr auch noch die Zeit davon.
Denn der Nebel, denn sie auf ihrer Imaginären Liste abhakt, ist auch schon aufgezogen und seine Undurchdringlichkeit teilt die Welt in Abschnitte und was nun kommen mag, kann sie nur ahnen.
Ihre Augen schmerzen, sie schaut schon seit Stunden hinaus, ohne wirklich eine Idee zu haben wonach eigentlich. In sich spürt sie eine seltsame Unruhe, wie eigentlich seit Tagen schon.

„Wie auch soll man etwas verhindern, was man nicht sehen kann, nicht erklären und was vielleicht gar nicht so ist wie ich glaube?“

Bleiern schwer senken sich die Augenlider hernieder und Hamamelis ist für ein paar Sekunden unaufmerksam. Eine verdammte kleine Sekunde in der sich, wie aus dem nichts, ein grell, blendender, schneller Lichtschein über den ganzen Nacht_Tagschwarzen Himmel ausbreitet. Den ganzen Horizont, das ganze Sein und alles vorhandene mit Licht durchflutet und summend, vibrierend allem das Leben entzieht.
Hamamelis rutscht von der Fensterbank und spürt kaum noch wie ihr Körper zu Boden fällt, denn sie ist verwandelt. Hat sich in Weltenmoleküle gelöst und strömt durch das Licht in all seiner Wärme, seines Seins.
Sie fühlt alles, die ganze große Welt in all ihren Bestandteilen und ihre in Licht zerstreute Unvorhandenität. Auf einmal spürt Hamamelis all die Wahrheiten, über das Leben und ist aufgelöst in tausende Teilchen, verbunden mit all den pulsierendem Leben und sie streckt ihre Fühler aus und beginnt der Welt eine neue chaotische, wie zufällige Ordnung zu verleihen.
Das Weltliche Ich in ihr, ist kurz verwundert über das was sie tut und fragt sich:

>>Welchen neuen Platz werde ich in der neuen Welt finden_bekommen?<<

Licht verbindet und fließt im Nichts, unsichtbar nach einem alten Rezept und würfelt die Gene, all die Zusammensetzungsmöglichkeiten durcheinander, um am Ende eine wundersam, phantastische Welt zu erstellen.
Voller innerer Ruhe und aus allem alten Wissen heraus, legt sie Liebe, Hoffnung, Zuversicht, Freude, Zärtlichkeit, Herzenswärme, Leidenschaft, Talent, Schwäche, Verständnis, Verzeihen, Frohsinn… hinein und kann selbst kaum glauben, das all ihrer undurchsichtigen Gedanken plötzlich einen Sinn ergeben.
Auf einmal, wie aus dem Nichts, erscheint ein kleiner bläulicher LichtS(ch)ein, fliegt durch sie hindurch und ruft ihr zärtlich, liebevoll, einem Kuss gleich zu:
>>Willkommen zu Haus, Mutter Erde…<<


[*1]Hamamelis mollis= botanisch Zaubernuss;-)
[*2]Jede Recherche und alle möglichen Richtungen darüber etwas zu erfahren, verlaufen im Nichts, was an sich schon verdächtig seltsam ist, in dem ein Teil (ihr Forschungsrefugium)
[*3]Alles war normal, bis auf die Tatsachen, dass die Lebewesen keine Erinnerung mehr an das Vorleben hatten. Sie fingen einfach an in irgendeinem Lebensabschnitt ihres Lebens anzusetzen und weiter zu leben. Sie hatten Familien, Arbeit, Freunde… alles wie ein Leben. Mit den Jahren lernten sie, dass zum Leben auch Erinnerungen gehören und das etwas seltsam ist ab der Zeit an dem sie Lebendig erinnern. Es fehlt an Erinnerung für Abschnitte des Lebens und Lebewesen die nach dem neu zählen geboren wurden hatten auch früherer Erinnerungen, daher wussten die Lebewesen, das etwas nicht stimmte und das, dass Jahr 0 nicht der Anfang der Dinge, des Lebens, des Seins gewesen sein kann. Für viele Lebensbewohner waren all diese Fragen oft zu komplex und unsinnig, so das alles eventuell vorhandene Wissen nicht weitergegeben wurde und die Lebewesen sich ihrem Gegenwartsseins hinwendeten und weiter lebten [*4]. Einfach so, weil’s geht.
[*4] Wenn ich beim lesen der Zeilen jetzt so drüber nach denke ist das eigentlich ein bisschen wie in dem Spiel „Die Sims“.

copyright by Miss Tueftelchen

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2 thoughts on “Das verlorene Jahr der Welt”

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