🦄phäno(r)mal

Guten Tag BegrüßungsMensch

Unglaublich aber wahr.
Es gibt noch ein paar von ihnen.
Selten begegnet man diesen einzelnen Exemplaren des GutenTag BegrüßungsMenschen.

Aufgefallen in_an Situationen_Orte wo sich eigentlich fremde Menschen (einfach so) Guten Tag sagen_begrüßen. Damit meine ich nicht das kurze Hallo, Guten Tag, Hi… an den Kassen unserer Einkaufsmöglichkeiten.

Heute[*1] erst, ist mir so eine Begegnung ins Bewusstsein gerückt und damit auch die Seltenheit und ich fing an zu grübeln.
An welchen Plätzen_Orte_Situationen GutenTag sag Begegnungen stattfinden.

Mir ist es passiert in einem kleinen Raum (etwa vielleicht fünf Quadratmeter) einer Bank Filiale. In dieser gab es ein Kontodruck~ und Geldautomat, mehr nicht.
Ich trat in den Raum der Wartenden ein und stellte mich als dritte in die Reihe. Trist war der Raum und fast hatte ich den Eindruck, das färbt auf die Anwesenden ab.
Ich bekam es leicht mit der Angst zu tun, den trist wollte ich auf keinen Fall sein. Bunt und verrückt bin ich innerlich und manchmal auch im außen, doch hier wurde mir alle Farbe entzogen und ich sah sehnsüchtig zur automatischen Tür, die sich gerade zu öffnen begann.
Ein Mann im Rentenalter betrat den Raum, sah sich kurz um, registrierte die Schlange und sagte freundlich, fest und bestimmt Guten Tag.
Ganz automatisch formulierten meine Lippen eine Erwiderung und zaghaft, kaum hörbar begrüßte ich den Unbekannten, der nun den Platz hinter mir einnahm.
Die Warteschlange rückte weiter.
Wieder schob sich die Tür auf. Mit einem kühlen Wind, trat ein weiterer BegrüßungsMensch ein und auch hier, verließ meine Lippen ein etwas lauteres und mutigeres Hallo.
Kurz darauf folgte eine weitere jüngeren Unbekannten. Sie schwieg und trat wortlos in die Reihe.
Ich überlegte kurz, sollte ich den Anfang an der Stelle machen? Und auch sie in der Tristheit begrüßen?
Doch ich schwieg, wie auch alle Anderen.

Die Situation wirkte in dem Moment irgendwie nicht real.
Klar, alles war real.
Menschen die Auszüge abholten oder Geld.
Die Tür die auf und zu ging, das unruhige warten auf; an der Reihe sein und doch war etwas seltsam.
Seltsam wie ein Ausflug in eine andere Welt…
… Nein, eher eine andere Zeit…

Meine Gedanken ergriffen die Situation und dachten weiter…

Wann gibt es sonst noch solche seltenen Momente, heutzutage?

Mir kam ein Wartezimmer in den Sinn.
Ja, da begrüßen sich die Unbekannten auch.
Vielleicht weil Krankheit= Leid= Anteilnahme ist?
Oder eher, weil es irgendwann einmal einem kleineren Menschen mit auf den Weg gegeben wurde, fremde Menschen an bestimmten Orten zu begrüßen.
Ich kann mich an meinen letzten Besuch bei einem Arzt erinnern.
Ich folgte wie immer den Anweisungen der Schwester und nahm dann den Weg zum Wartezimmer. Beim Eintreten war ich hin und her gerissen, ob ich Guten Tag sagen sollte oder nicht.
Denn wieso WartezimmerMenschen einen Guten Tag wünschen?
Jemand der in einem Wartezimmer sitzt, hat vermutlich_wahrscheinlich_sicher keinen so guten Tag und da scheint das ganze irgendwie…  nun ja…
… unehrlich.
Ich sprach trotzdem eine Begrüßungsformel, weil mein innerlicher Anstand mich dazu trieb und es einfach dazu gehörte.
Ich es hätte es auch als unhöflich empfunden mich einfach schweigend einzureihen. Im stillschweigen hoffte ich inständig, das der Tag der anderen Mitwartenden besser werden würde, besser als ihre noch folgende Arztstunden_(eher Minute).

Mehr solche Orte[*2] sind mir nicht eingefallen.
Wann sagt ihr fremden Menschen Guten Tag?
Ist es der Anstand was ja irgendwie auch gute Erziehung[*3] wäre?
Ist es ein Teil von gemeinschaftlicher Gesellschaft?
Geht es immer mehr verloren?
Nach meiner Beobachtung sind es doch eher die Älteren MitMenschen, die uns durch ihr liebes Guten Tag zu einer fast befremdlichen Erwiderung aufrufen.

Wobei mir dabei noch einfällt.
Es ist ein Unterschied zwischen dörflichem und städtischem Leben. Ich gehe in meiner Beobachtung vom städtischen Guten Tag sag Charakter aus.

Einst in einem Dorf beobacht:
Ich ging spazieren durch das Dörfchen und fast jeder unbekannte, mir begegnende Mensch begrüßte mich höflich. Das war für mich sehr befremdlich und fühlte sich unsicher_seltsam an. Ich grüßte auch immer freundlich zurück und fragte mich dabei: Was die BegrüßungsMenschen hier wohl dachten?
Ich war eine Unbekannte_ein neues Gesicht, ein jeder kannte sich hier ja, doch mich?
Mich kannte niemand und doch wurde ich sofort in das Dörfchen integriert.
Ein Dörfchen in dem jeder jeden kennt, in dem man keine Fremde wäre, würde man länger bleiben.
Dieser Gedanke löst ein mulmiges Gefühl aus, für mich als Stadtmensch der die Anonymität des niemand kennt niemanden bevorzugt, auch wenn das bedeutet das jeder, jedem ziemlich egal sein dürfte. Was auf dann auch wieder irgendwie sehr traurig ist.

Andere Zeiten kommen mir dabei wieder in den Sinn.
Zeiten in denen die Bewohner eines Hauses (mit vielen Mietparteien) sich noch kannten.
Wo ein kleiner Plausch im Treppenhaus noch zum Alltag gehörte.
Wo man den Müllmännern noch Kaffee und Kuchen anbot.Wo man noch die Kohlen für ältere Nachbarn aus dem Keller holte.
Wo man noch die Zeitung für die Nachbarn, die nicht mehr so gut gehen konnte, aus dem Kiosk besorgte.
oder
Wo man einfach mal, einfach so, eine Einkauftüte für jemanden anderen trug.
Zeiten wo man sich im kleinen noch mehr geholfen hat als heute.
Heute wo das Misstrauen in den Herzen der Menschen Einzug gehalten hat und ich schon drei mal überlege, ob ich irgendwem im Haus meinen Wohnungsschlüssel überlasse, wenn der Heizungsablesen kommt.

Dieses kleine Guten Tag zwischen den Lebensmomenten, ruft bei mir oft ein warmes Gefühl hervor.
Ich weiß auch nicht.
Wenn ein fremder Mensch mich und andere Begrüßt, ist das ein Kontakt. Ein kleiner, aber er ist da und macht mich aufmerksam auf andere Menschen.
Es ist als würde ich dann Teil nehmen, für eine Sekunde, am Leben der Anderen.
Fremde werden mir dann vielleicht, wie, weniger egal, (Finde gerade keine passendere Formulierung).
Wenn ein fremder Mensch mich Begrüßt, zaubert es mir ein lächeln in die Seele. Es fühlt sich einfach gut und richtig an und genau das, macht mich auch sehr traurig, weil ich glaube, das diese GutenTag sag BegrüßungsMenschen vom aussterben bedroht sind, leider…

Wie geht es euch, wenn ihr unbekannt begrüßt werdet?

In diesem Sinne rufe ich euch, voller Emotionen und freundlichem Lächeln, mit einem Megafon, ein großlautes GUTEN TAG entgegen.

 


[*1] Heute ≠ Jetzt, gerade im Moment = das damals heute.
[*2] Ausgenommen sind in meiner Überlegung Orte, wo ich_du_man anderen Menschen eine Begrüßung vorweg (zum Beispiel auf einer Behörde, wenn etwas gesucht wird und um Hilfe erbeten wird…) eines Gesprächs zukommen lässt oder eben an einer Kasse…
[*3] Obwohl ich das Gefühl habe, das eine gute Erziehung, irgendwie auch von der Sichtweise abhängt oder dem Punkt an dem man steht. Eine Aussage die bei mir irgendwie ein ungutes_schwammiges Gefühl hervorruft. Ist dann gute Erziehung der Norm der Gegend entsprechend… kling nach einem eigenen Thema…

copyright by Miss Tueftelchen

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9 thoughts on “Guten Tag BegrüßungsMensch”

  1. Ich habe dazu mal einen Artikel auf „wiedaslebenklingt“ verfasst – der würde dazu gut passen.
    Aber DU passt auf jeden Fall damit in „meine Welt“! 😉 Toll geschrieben, einfach Klasse!

    Herzliche Grüße
    Sylvia

    Gefällt mir

  2. Zunächst: ich bin ein Stimmungs-GutenTagMensch, wenn es mir gut geht grüße ich gerne, auch Fremde. Die Leute im Treppenhaus grüße ich immer.
    Wenn ich eh am liebsten im Bett geblieben wäre, kann es sogar dazu führen, dass mich GutenTagMenschen nerven (wie in einem Wartezimmer beim Arzt) und ich mir denke „Geh mit deiner Freundlichkeit irgendwem anders auf die Nerven..“

    Was ich aber noch viel schlimmer finde:
    Leute, die man „kennt“, die nicht grüßen. Solche, die im selben Seminar sitzen, dir sogar ne gloreiche FB-Freundschaftsanfrage schicken und auf der Straße weggucken. Waaaaas? – Das löst ziemliches Unverständnis in mir aus.

    Gefällt mir

    1. Oh ja an die FB Menschen hab ich gar nicht gedacht. Das finde ich auch schlimm, wenn Freundschaftsanfragen gestellt werden und sich dann außerhalb von FB aus dem Weg gegangen wird. Das fühlt sich wirklich auch total falsch an.
      Menschen die man real kennt, die dann nicht grüßen, ich denke, dass da so eine Art Angst da ist. Eine Angst vor dem: Ich weiß nicht was ich sagen soll, oder reden. Dann schaut mancher lieber Weg und hofft das der andere einen nicht gesehen hat. Vielleicht ist es auch eine Art Verlegenheit vor den wenigen Gemeinsamkeiten in einem Gespräch, dann denkt der Wegschauer vielleicht: Lieber schweigen als unangenehme stille Gespräche. Aber Recht hast du, dass ist schon irgendwie unfreundlich.

      „Geh mit deiner Freundlichkeit wem anders auf die Nerven“ …
      da musste ich schmunzeln.

      Vielen Dank für deine Zeilen
      alles liebe

      Gefällt 2 Personen

MissTueftelchen freut sich auf deine Zeilen

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