💭Gedanken fangen

tiefTrauriges Klingeln

Wieder steht sie im Raum die Frage, diesmal knallt sie mir aus einer SMS entgegen:

„Geht es dir gut?“

Eine klare, direkte Frage . Einfach Antworten denke ich, sofern ich das noch kann. Denken zerläuft in letzter Zeit wieder im NichtVorhandenMatsch meines Hirns. Als hätte sich irgendwie der klar denkende Teil aufgelöst und übrig blieb; das drei Sekunden jetzt und vier Sekunden Vergangenheit, alles davor_danach verschwimmt.

Wann hat das ganze eigentlich wieder angefangen so wage verschwommen zu sein?
Irgendwann vor einer gefühlten Ewigkeit_langer, langer Zeit fing es wieder an und jetzt? Jetzt fange ich den Tag auf, wenn ich ankomme in mir und suche nach dem was bleibt_geblieben ist_kommen kann_wird. Verloren gegangen in den zwischen Zeiten des Lebens, auf der Suche nach einem Anker_etwas zum Festhalten.

Du.Du allein gibst mir halt und doch ist unser Zusammensein so zerklüftet in Kratern der Zerstörung und dazwischen in Watte ausgelegte Wolken der wenigen_warmen_starken Liebe.
Liebe, in drei Sekunden gefühlt_im Sein, in meinem Herzen so stark wie tausend vergangene Momente. Alles im jetzt, nichts im war. Kein Hass, keine Wut nur Du. Hier und jetzt und ich.
In Liebe in Gedanken_fühlen fällt schwer, wenn alles auseinander bröckelt, im Verlieren der Sekunden.
Aber Du, gibst mir Kraft zu sein, nur du allein und ich hoffe wenn ich ankomme am Tag in mir, das ich mich dann finde bei dir.

Und so zerlaufen die Tage_Stunden_Wochen und schon wieder Monate.
Nur eine Frage ganz klein ,schleicht sich in meine Gedanken ein.
Wann wird es je wieder anders sein?

„Geht es ihnen gut?“…

… höre ich auch bald wieder, wenn ich meine Tabletten fein abhole, die mich Konzentrierter machen sollen, weniger zerfleddert, ich glaub nicht mehr daran.
Hab ich aufgehört, als mein Leben wieder aufhörte und ich wieder kämpfte, um jede Sekunde.

Ich habe Angst, ja. Riesengroße.

Wann hat das ganze eigentlich wieder angefangen so wage verschwommen zu sein?
Angefangen… ich vermute als das Telefon klingelte.
Damals mitten in der Nacht. Ich war gerade ins Bett gefallen und versuchte zwanghaft in den Schlaf zu kommen, nach dem ich meinen Tag sortiert hatte. War auch gerade eine schwere Zeit, denn du warst nicht da.

Nachts, gegen keine Ahnung vielleicht drei Uhr, klingelt das Telefon.
Erster Gedanken: mit Opa ist was.
Ich schaue das klingelnde Telefon an und traute mich nicht abzunehmen, allein wie ich war, ging ich dann doch dran.

Hallo?“

Die Stimme meines Mutttiers kommt durchs Telefon und fragt ob ich sitze.
Mein Hals krampft und ich sage:

jetzt ja“.

Und ich sitze da, schaue auf meinen chaotischen Schreibtisch und will_möchte nicht hören, was gleich kommen mag. Ich suche die Oberfläche nach etwas ab, dass ich mir in die Ohren stopfen kann, nur um nicht zu hören, was sie mir sagen mag_mitten in der Nacht.

„Papa ist gestorben, heute Nacht!“

Ich höre die Worte. Wiederhole sie in Gedanken. Schwerfällig klebt ihrer Bedeutung am anderen Ende der Welt.
Ich verstehe nicht. Herz versteht nicht. Kopf handelt.
Höre die Frage:

„…willst du vorbei kommen? Ihn noch mal sehen?“

Ich bin ruhig, sag nichts außer:

Nein! Ich meine Nein, ich möchte ihn nicht sehen. Ich komme aber vorbei!“.

[*1]

Ich total in Panik!
Keine Ahnung wie der Tag starten sollte…
Gedankenkreisen.
Wie das alles heute zu schaffen sein wird…
Unbegreiflich.
Keine Ahnung was das wirklich bedeutet…
Unfassbar.

Aber mein klares Denken handelte und fuhr in Arbeitskleidung, mit Thermoskannen und Kaffee zu der Elternwohnung.
Un_erklärbar_wahr_wirklich.
Tausend Gedanken prasseln mir auf dem Weg durch den Kopf und nicht einen kann ich aufgreifen um mich festzuhalten.

Angekommen, steh ich vor der Haustür und betrachte die Klingelschilder. Ich stehe da und weiß nicht mehr wo ich klingeln soll. Nur eins, nicht den falschen Namen drücken, aber ich erinnere mich nicht. Ich bin so durcheinander und befühle die Dinge in meiner Jackentasche. Ein Bonbon, eine Kastanie, eine Spange, ein Haargummi und ein Band_Schlüsselband… Erkenntnis tropft in mein Denken und ich ziehe das Band heraus_orange_es ist Orange. Ich habe den Schlüssel der Wohnung mitgenommen_muss nicht klingeln_ und schließe auf.
Leise gehe ich die knarrenden Stufen des Treppenhauses hinauf. Das Licht war schon an, dennoch hab ich den üblichen griff zum Schalter gemacht, um wieder einmal zu bemerken, dass er irgendwann mal zwanzig Zentimeter nach unten versetzt wurde. Warum auch immer…

Ich höre Kinderstimmen im Treppenhaus.
Jemanden der aus dem Keller nach einer Luftpumpe ruft und das ich die mitbringen soll. Ich höre tapsige Füße, die nach oben rennen, eine kleines Läuten (von der kleinen Glocke die angestoßen wird)  beim öffnen der Tür_stürmen in die Wohnung um die Luftpumpe zu schnappen.
Leise, um nicht bemerkt zu werden, geh ich weiter nach oben.
Ein Lufthauch zieht an mir vorbei und ich höre das Kinderstimmchen rufen…
Ich bleibe stehen und schaue am Treppengeländer hinunter. Schatten.Dein Schatten wie du die Fahrräder hinauf trägst, wie du schimpfst, und mit dir selber redest. Das Stimmchen steht am Treppenabsatz und schaut dir zu…
ein Kloß im Hals_ein blinzeln_ein weiter gehen…
Mutttier umarmt mich beim eintreten und ich schaue in die Wohnung…
Die Küchentür war zu. Ich atmete erleichtert ein, von ihm ist_war nichts mehr zu sehen. Nur Erinnerungen im Treppenhaus… sonst nichts…

Weiß nicht mehr viel
Nur das es gut war, das ich Kaffee dabei hatte, weil in die Küche konnten wir nicht, da lag er noch.
Ich handelte weiter und rief den Bestatter von gegenüber an.
Der war allerdings gerade unterwegs und könne erst in etwa drei Stunden kommen. So lange musste er noch da liegen. Es war schauerlich.

Wir saßen_wir redeten_wir schwiegen.

Filmstreifen_1.2

Weinen ging nicht…

Geschwisterchen erzählte, das es etwas schönes gäbe, etwas das sie noch erzählen wollte. Etwas das ihr zwischen allen Gedanken wichtig war und in den Sinn kam. So vieles kam uns in den Sinn_vieles das unwichtig war, aber in dem Moment das wichtigste auf der Welt.
Eine frohe, schöne und wunderbare Botschaft… eine Hochzeit.
Tränen hinter meinen Augen fragte ich, ob Papa es auch schon wusste. Sie nickte und ich war froh…auch wenn es schmerzte das er nicht dabei sein würde.

Filmstreifen_2.1

Geschwisterchen blieb ich fuhr zur Arbeit und machte meine Gießrunde, als wäre nichts, alles wie immer.

Als ich fertig war, fuhr ich in die Firma und sagte Bescheid, das ich nach Hause ginge, weil mein Vater gestorben ist_war, diese Nacht. Als die Worte meinen Lippen verließen fühlte es sich so falsch an, so unwahr und so…
… einfach so…
Ich hörte nicht mehr was Kollegen und Chef sagten, denn um meine Tränen zu verstecken, floh ich zu meinem Auto…
… was dann war, die Monate und Wochen sind verschwommen…
… alles verschwommen seit dem..
… ich glaube da hab ich auf gehört und alles wieder angefangen…

Und so verlaufen die Tage_Stunden_Wochen und schon wieder Monate_Jahre.
Nur eine Frage, ganz klein ,schleicht sich in meine Gedanken ein.

Wann wird es je wieder anders sein?


[*1]Erinnerungen an Opa im Krankenhaus die sich in meinen Kopf eingebrannt haben, so sollten sich diese neuen Bilder nicht auch einbrennen.

copyright by Miss Tueftelchen

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1 thought on “tiefTrauriges Klingeln”

  1. Es ist mir schwer, sehr schwer, etwas zu diesem Eintrag zu sagen. Manche würde meinen, dann solle ichs doch lassen. Aber mein Herz sagt mir etweas anderes. Und ich höre auf mein Herz.

    Und so sage ich Dir, dass ich diesen Eintrag, das, was Du darin ge- und beschrieben hast, soweit ich es denn vermag so über das www, mit Dir teile. Teilen möchte. Damit Du es nicht so allein tragen musst.

    Ich weiß schon eine ganze Menge über das Sterben, auch über das Sterben von Menschen, die mir ganz nah gewesen und geblieben sind. Ich kann sehr schwer mit dem Tod umgehen, mit solchen Toden irgendwie gar nicht. – Ich weiß nur, dass wenn ich über das Sterben nachdenke, die Frage, wie es mir geht, von mir nicht verstanden wird. Ich kann sie dann nicht verstehen.

    Vielleicht verstehe ich deshalb ein bisschen wenigstens, was Du empfindest und was die Erinnerungen mit Dir machen.

    Mit diesem Gedanken grüße ich Dich, buchstäblich aus dem Herzen, meinem Herzen.

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