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WortOhrKampf unter FamilienMenschen

Ein bunter Haufen FamilienMenschen kommt bei K-fee und Kuchen (plus/ minus Abendessen) ein… zwei… drei… mal im Jahr zusammen (Weihnachten, Geburtstage…).
Nach dem obligatorischen Händeschütteln und dem bestellen von Getränken, beginnt ein atemberaubender Kampf um jedes Wort.

Es ist kaum beschreibbar und ich weiß auch nicht, ob es sich nur unter diesen FamilienMenschen so gestaltet[*1] .

Manchmal sitze ich einfach nur da und beobachte diese ganzen tragikomischen Situationen.
Es ist eine Geräuschkulisse, wie bei einem Papageienhaufen[*2].
Ein Wilddurcheinander geschrienes Zwitschern, kreischen, piepen, fiepen und krakeelen.
Ein Stimmengewirr, als würde ich über einen orientalischen Markt gehen.
Alle rufen wild durcheinander… ein jeder Kämpft um das Gehör des anderen und niemand hört wirklich zu!
Es kommt mir manchmal vor wie ein erbarmungsloser, extrem blutiger Wettkampf, da beginnt mir der Kopf zu schwirren und keinem geht die Puste aus…

Es ist nicht so, dass ein jeder FamilienMensch mal dran kommt etwas zu berichten_erzählen und alle (könnten) aufmerksam lauschen.
Das wäre was…
… ein jeder einzeln…
… sprechen nacheinander…
… so wie ich mir eine gelungene Gruppentherapie vorstelle… (= Aufmerksamkeit, Respekt voller Umgang, zuhören, ausreden, … )

Wenn wirklich alle nacheinander reden dürften, würde womöglich ein wirklich bewusster, aufmerksamer und Familiennäherer Austausch (tatsächlich) stattfinden können.
Aber nein!
Hier ist das alles anders.
Ein jede hat etwas zu erzählen und das sofort(!x3) und auf der Stelle(!x3) ohne Rücksicht auf andere FamilienMenschenWorte.

Wer eigentlich gerade wem anders zuhört, der wird von lauteren Worten angezogen und lauscht dann diesen.
Das gestaltet sich so:
Sie hören jemandem zu und dann, (der jemand erzählt noch[!x3]) drehen sie sich einfach um und hören wem anders zu.
Derjenige, der eigentlich gerade erzählt hatte, steht da wie ein übergossener Pudel- alle Aufmerksamkeit weg, mitten im Satz, unglaublich.
Es ist ja nicht nur das plötzliche weg drehen…
… sondern auch:
… das Worte über die Länge des Tisches (zu)rufens-
Nein viel mehr ein brüllen!
Was auch die unbeschreibliche Lautstärke erklärt. Außenstehende könnten glauben; dieser gesamt bunte Haufen hätte vergessen die Hörgeräte einzuschalten.

Den Platz wechseln?
Total abwegig, grenzt fast an Anarchie.
Nur um der interessanten Erzählung näher zu kommen und ganz nebenbei besser zu verstehen?
Nein, geht ja gar nicht.
Der gefundene Erste Platz wird beibehalten! Es ist scheinbar ein Teil der Unterhaltungs_Wetteifern_Disziplin!
Da ist es egal ob am Abend die Stimmenbänder heißer sind und der nächste Tag schweigend verbracht wird.
Die Gaststätten_Restaurants sind gezwungen, wenn diese FamilienMenschen einkehren ein Warnschild anzubringen, weil die Lautstärke Gesundheitsschädigend wird_ist_sein kann[*3].
Unbeschreiblich.

Ich sitze noch immer da und beobachte.

Der FamilienMensch muss schnell erzählen_berichten damit er_sie es schafft alles los zu werden und das am besten, bevor der Gegenüber sich einfach abwendet. Da ist es von Nutzen, neben einem extrem lauten Sprechorgan, auch in einer Irrsinnigen Geschwindigkeit die Worte hinaus sprudeln zu lassen.

Am Ende wird keiner wirklich ernst genommen.
Ich vermute auch, das die wenigsten auf dem Heimweg sagen können, was bei wem gerade los ist, wo einer zum Beispiel im Urlaub war oder wie es in Job oder Beziehungen aussieht.

Erschreckend erkenne ich immer wieder, auch außerhalb der FamilienMensch treffen, das ich grundsätzlich niemanden ausreden lasse!
Es ist für mich unheimlich schwer, darauf zu warten, dass ein Satz vom Gegenüber beendet wird.
Bin ich es doch nicht gewohnt, dass Menschen Pausen zwischen den Sätzen machen und so quellen die Worte aus mir heraus, bevor der andere seinen Gedanken denken durfte.
Ja, ich bin Meisterin im Unterbrechen und rufe dazwischen wo es nur geht.

Ich versuche schon mein Kommunikationsverhaltensmuster zu verändern, (hin zu aufmerksam zuhören und die Menschen respektvoll ausreden lassen!).
Wie sich herausstellt, ist das jedoch alles andere als leicht.
Vor allem wenn der WortOhrKrieg so sehr verinnerlicht ist und das obwohl ich selbst ja weiß, wie unhöflich_freundlich es ist, den Erzähler direkt zu unterbrechen…

Ich muss mir während einer Unterhaltung immer wieder extrem, übelst, krass bewusst machen und wie ein Mantra in mir flüstern:

Ausreden lassen! Ausreden lassen! Bloß, auf keinen Fall unterbrechen_dazwischen rufen! Ausreden lassen….

Habt ihr solche Situationen auch schon beobachtet_erlebt?
Wie unterhalten sich eure FamilienMenschen?
Schaffen eure FamilienMenschen sich ganz ruhig und normal zu Unterhalten?
[*4]


[*1] Vielleicht liegt es auch an dem Menschenschlag [seltsames Wort]
[*2] Vermutlich sind Papageien noch viel ruhiger und gesitteter vielleicht doch eher ein Vergleich mit Gänsen… 😉
[*3] Gefahrengebotszeichen: „Gehörschutz benutzen“!
[*4]Bei den beschriebenen FamilienMenschUnterhaltungen ist es eher so, dass sich kleinere Grüppchen bilden.

copyright by Miss Tueftelchen

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4 Kommentare zu “WortOhrKampf unter FamilienMenschen

  1. Ich beobachte ganz generell, dass sich Menschen immer weniger tatsächlich und einander zugewandt zuhölren. – Familienkontexte kann ich insoweit weniger beurteilen – unsere Familie ist sehr weit zerstreut, und viele auf einmal sehen sich kaum einmal. Und wenn, dann fühle ich mich da nicht sonderlich wohl. Aber das hat auch eine Menge mit mir selbst zu tun.

    Gute Gespräche, solche, wo sich Menschen wirklich in die Augen schauen, wo man einander ausreden lässt, wo Zuhören normal ist und eine rücksichtsvolle Atmosphäre herrscht, sind sehr selten. Menschen, die sich wirklich wertschätzen oder zumindest darum bemüht sind, sprechen so miteinander.

    Ich kenne ein paar wenige Leute, wo ich das erleben kann, auch aktiv. Das sind kleine Runden – sie gehören zum Wundervollsten, was ich zu erleben vermag … – Runden freilich, die es nur selten schaffen zusammen zu kommen. Sie brauchen halt Zeit. Gute Gespräche brauchen Zeit, wirklich Zeit.

    Viele liebe, sternflüsternde Grüße an Dich, mögen sie blau werden auf dem Weg zu Dir 😉 !

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    • Mir kommt langsam der Gedanke das es weniger an meinen FamilienMenschen liegt, als viel mehr an den Menschen allgemein. Du könntest recht haben, dass Gespräche seine Zeit brauchen. Vielleicht wäre es weniger heftig wenn sich die Menschen öfter sehen würden. Dann müsste nicht alles was von allen erzählt werden möchte in zwei Tagesstunden gepackt werden.
      Den Faktor Zeit hatte ich noch gar nicht so bewusst in diesem Kontext wahr genommen, vielen Dank für diesen Gedanken.

      sende auch dir blinkende blaueGrüße

      Gefällt 1 Person

  2. Ich befürchte, für Familientreffen gelten die gleichen Gesetzmäßigkeiten wie in der „freien Wildbahn“ – jeder will (muss?) der Größte, Schönste, Stärkste sein. Aber was ist die Alternative?

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    • Das ist ein Interessanter Gedanke. „Freie Wildbahn“ versucht dann ein jeder das Rudel oder die Gruppe führen zu wollen? Oder steht dahinter der Gedanke, der beste sein zu müssen_wollen um überhaupt Akzeptanz beim anderen zu finden.
      Obwohl ich beobachten konnte_kann, dass es nicht zwingend um der Größte, Schönste und Stärkste geht aber vielleicht ist das im unterbewussten.

      Eine Alternative zu dem zusammenfinden gibt es wohl nicht, außer sich nicht treffen. Jedoch denke ich dass es möglichkeiten gäbe, die Kommunikation in Lautstärke und Respektvollerem Umgang mit Achtung vor dem einzelnen zu verbessern.

      Danke für deine Gedanken.

      sende dir blumige blaueGrüße

      Gefällt 1 Person

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