💭Gedanken fangen

Dein Spiegel

Dein SpiegelAlt und verstaubt hängt er da.

Monumental groß und mit schnörkeln verziert…
… Blumenblüten, Blätter und Ornamente umrahmen deine Spiegel Fläche.

Wie alt du wohl bist?
Auf dem Bett liegend betrachte ich die Spiegelung…
… die Raufasertapete von gegenüber und so viel Staub…

Könnte ich hinein schauen…
… könnte ich dein Leben, vielleicht dich sehen?
Sehen wer du warst…
… wie du dich zurecht machtest…
… vielleicht wie du dir selbst zulächelst, während du dir eine Haarsträhne hinter die Ohren legtest…
… oder trugst du dir Haar kurz?

Ich weiß es nicht, wusste es nie.
Die Erinnerungen existieren nicht, existierten nie.

Ich träume mir dich…

… träume…
… wie ich vor dem Spiegel stehend hinein schauen kann.
Hinein nicht darauf, nicht das sehen würde, was real im Raum ist, sondern wirklich hinein schauen könnte.
In eine andere, deine damals Welt sehen könnte. Sehen was der Spiegel einst sah, was er mir heute hier erzählen könnte.
Über
… dich…
… deine Lieben…
… (d)(m)eine Familie.
Wie es wohl so war, einst Damals?

Die Wirklichkeit verschwimmt, die Raufasertapete verwandelt sich in Blumenmuster, ich sehe dich, hübsch, jung und lächelnd sitzt du an einem Klavier, ich sehe deine Finger sich über die Tasten bewegen, doch hören kann ich nichts.
Der Spiegel zeigt mir Bilder, jedoch keine Musik.

Wieder verschwimmt die Welt…
… ich sehe einen kleinen Jungen der zwischen zwei größeren Mädchen steht. Alles ist einfach, doch erkennen kann ich nicht viel. Du erzählst den Kindern etwas und dann laufen sie davon, kommen mit Tellern wieder und decken einen Tisch, ich kann ihn nicht sehen…
Ich möchte hören wie ihr lebtet, was ihr tut, möchte euch einfach nur zu schauen, ein Teil davon sein. Würde so gerne Wissen wer du warst, wie du warst und was es bedeutete damals auf der Welt gewesen zu sein, doch ich kann nicht mehr sehen.

Der Spiegel zeigt mir neue Bilder…
…ich sehe dich.
Ein warmes Gefühl ist in mir…
… ein Erkennen…
… fast Wissend Erinnern…
… ein: das hab ich glaube ich auch gesehen…
… nahe an: das kommt mir bekannt vor ohne wirklich zu Wissen, ohne Erinnerung.

Ich beobachte dich, wie du nur da sitzt, auf deinem Sofa…
… du machst nichts, sitzt einfach nur da.
Das Licht im Raum verändert sich…
Menschen kommen hinein.
Eine Frau mit einem Mädchen.
Das kleine Mädchen setzt sich neben dich, schaut dich an, sieht traurig aus.

Ich kann euch reden hören…
… jetzt kann ich hören vorhin ging das noch nicht.

Ich höre Oma Fragen wie es in der Schule ist…
… ob das Mädchen fleißig, lieb und artig ist.
Die Oma erzählt, das sie Krankenschwester war und das es oft nicht einfach gewesen ist. Wie viel sie machen musste, da sein für die Kinder… allein…
Das Mädchen sagt traurig der Oma, dass sie ihr das schon das letzte Mal erzählte und das mal da vor…
Ich sehe wie das Mädchen so viele Fragen hat, wie ihre Augen glitzern, wie aufgeregt_neugierig sie ist…
… doch wenn sie die Oma all ihre Fragen fragt, weiß sie keine Antwort…

… Zwischen drin fragt die Oma wer das Mädchen sei und die Frau… was sie hier bei ihr machen würden… wie sie herein kamen… ich höre das Mädchen zaghaft sagen:
… Oma… du weißt doch wir haben einen Schlüssel, weißt du das nicht mehr?

Das Mädchen erzählt was es in der Schule lernt und fragt die Oma was sie dann einkaufen sollen.
Sandkuchen und Butterkekse…
… vielleicht Brot…
… die Oma scheint verwirrt… nicht ganz da… als wüsste sie es auch nicht so genau.

Die Frau die mit dem Mädchen gekommen war, fragt was es zu Mittag gab und ob die Oma etwas davon gegessen hatte. Die Oma weicht aus, redet etwas schwammig und erwidert das sie gegessen hätte.Das Mädchen geht zu der Frau, ich kann die beiden nicht mehr sehen, doch höre wie sie sagen, dass das Essen nicht angerührt wurde. Das Mädchen sagt traurig, das die Oma doch was Essen müsse und versteht nicht warum sie das vergessen hat…
… Warum weiß Oma nicht mehr was sie gegessen hat?

Ich sehe dich, Oma, wie du traurig dort sitzt. Einsam und allein. Das Licht verändert sich wieder, die Tür fällt ins Schloss und du sitzt da, als wäre niemand da gewesen… vergessen hast du den Besuch, vergessen die Gegenwart… vergessen…

Ich schaue auf dem Spiegel und frage mich, hast du am Ende auch dich vergessen? Vergessen wer du warst? Vergessen alle Menschen die dich liebten? Es schmerzt der Gedanke…
… sehr.

Der Spiegel hängt an der Wand, zeigt wieder meine Raufasertapete…
… sonst nichts…
… nur eine Art Leere, eine Leere die in mir ist, eine Leere an keine Erinnerung…
… an Vergessen…
… Vergessen wie du vergessen hast.
Hat der Spiegel dich vergessen lassen, wie er auch mir die Erinnerungen raubte?
Saugt der Spiegel Erinnerungen weg die traurig_schwer auszuhalten sind_wären.

Ja, so muss es sein_gewesen sein.
Er hing einst bei dir und du hattest vergessen, jetzt habe ich ihn und habe alles Vergessen…
… alles was war davor, bevor er an meiner Wand hing……

Ist das der Spiegel des Vergessens…
… der ausgelöschten Erinnerungen…
… der verlorenen Leben…

copyright by Miss Tueftelchen

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7 thoughts on “Dein Spiegel”

  1. Das ist sehr schön und berührend geschrieben. Es hinterlässt in mir Traurigkeit. Aber die Art, wie Du geschrieben hast, das Spürenlassen Deines Empfindes, macht die Traurigkeit ein bisschen leichter. Denn, dass da jemand ist, der so empfindet, es so zu teilen vermag, wie Du es hier mit diesem Eintrag getan hast, dass ist einfach nur schön. –

    Es ist nicht pathetisch und nicht dahergesagt: Ich vergessen so etwas nicht!

    Dankeschön!

    Ganz liebe Kornblumengrüße! (Ja, wenn Du so willst sind das also nun auch blaue Grüße. – Ich habe Kornblumen so sehr gern, sie sind meine Lieblingsblumen. Ihr Blau und das linde Grün des Frühlings sind für mich die schönsten Farben. Und nun ist ja Kornblumenzeit und also wollte ich, dass Du genau diese Grüße bekommst!)

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    1. Danke sehr.

      Ich verstehe nur diese Zeilen nicht ganz:
      „Es ist nicht pathetisch und nicht dahergesagt: Ich vergessen so etwas nicht!“

      Was meinst du damit? Vielleicht fehlen mir hier einfach auch wieder die Wortbedeutungen.

      blaueGrüße

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      1. Es bezog sich auf das, was Du vom Vergessen schriebst. – Und mit dem Vergessen ist das ja so eine Sache – es kann gut, ja, heilsam sein, es kann aber auch sehr weh tun.

        Ich wollte Dir mit meinem Satz etwas Gutes tun: So besondere Einträge vergesse ich nicht. Das wollte ich Dich, in DIESEM Sinne, unbedingt wissen lassen. Denn noch einmal: Was Du und wie Du es geschrieben hast, hat mich sehr berührt.

        Hab‘ einen schönen Abend und eine Woche, die Dir so angenehm wie nur möglich sein mag!

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MissTueftelchen freut sich auf deine Zeilen

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