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… vermissen…

Manchmal habe ich das Gefühl du bist noch da

Ich bin in der Bücherei, gehe die Regale durch und möchte dir eine CD mitbringen…

Besuche ich die Wohnung, spüre ich, kalt und klar…
… du bist nicht mehr da…
… kein Hauch…
… kein Geruch…
… nichts…
… einfach weg.

Ich schaue zur Küchentür, sie ist angelehnt, jedoch kein Laut dringt daraus hervor…
… keine RadioFrühstücksgeräusche, kein Zeitungsknistern, kein Geruch nach Kaffee…
… kein Schatten auf deinem Platz.

Du bist nicht (mehr)da…

Niemand…
… geht mehr früh zum Bäcker…
… steht zeitig auf und deckt den Tisch…
… ist schon mal Frühstücken, während die Wohnung noch schläft… .
Alle Zimmer sind leer…
… außer eines, in dem ich das MamaMurmeltier noch schlafen höre…

Deine Tür ist verschlossen und ich stehe still im Flur und lausche…
…lausche auf den zu lauten Fernseher oder das Radio, das deine Musik, in die jetzt_irgendwie, leere Wohnung trägt.
Doch es ist still, irgendwo machen die Katzen Geräusche…

… sonst nichts.

Meine Hand ruht auf deiner kalten Metall Türklinke und ich lausche weiter…
… und merke selbst wie dumm das von mir ist.

Solange ich die Tür geschlossen halte, kann ich mir vorstellen, wie du in deinem Sessel sitzt…
Vorstellen, wie du aufschaust wer herein kommt.

Ich traue mich nicht die Tür zu öffnen…

Ich sehe dich da sitzen, halb schräg, weil die die Gelenke weh tun…
… von Jahrelanger, Körperlich, schweren Arbeiten…
… sehe in deine(vom Alkohol) gelblich verfärbten Augen…
… und höre dich die immer gleichen Fragen stellen:

„Wie es bei der Arbeit ist?
Wie es geht…?“

Ich vermisse die kurzen Gespräche, die kleinen Hoffnungsfunken deiner geistigen Klarheit, wenn der Alkohol deinen Geist nicht verschüttet hat…

Der Alkohol, dein ewiger Feind…
… ein Feind der dir das_dein_unser Leben geraubt hat…
Ein Feind der so viel Leid verursacht hat…
… heute verstehe ich besser…
… du warst nicht stark genug und der Wille es nicht mehr zu tun (trinken) hat einfach nicht ausgereicht…
Der Alkohol der dich fragen lies…
… wie Alt deine Tochter ist…
… in welche Klasse deine Tochter geht (die schon längst die Schule verlassen hatte)… .

Der Alkohol der dich aufhören lies teilzunehmen am gemeinsamen Leben, der Feind der uns den liebenden Vater raubte.

Ich vermisse…
… die gemeinsamen, ewig, nervigen und langen Wanderungen. Bei denen du zig Kilometer vor uns her ranntest, während der Rest der Familie dahin spazierte.
… und wie der Rest der Familie, auf den Wanderungen ein Eisbecher aß, während du das Auto holtest, um sie in der RastGaststätte ab zu holen…

… gemeinsame Radtouren: wie du mich einmal fragtest ob ich eine kleine Runde oder eine größere Fahren möchte. (Ich wählte die Mittlere die so lang war wie eine Große, da nahm ich mir vor das nächste Mal die kleinere zu wählen [es gab kein nächstes Mal, der Alkohol war stärker]).

Ich sehe uns beim Rudern auf dem Stausee, beim Schlittschuh fahren (was du nur einmal tatest und dann nie wieder, weil du mehr lagst als standest), wie wir raus gefahren sind um auf den Wiesen FederBall, Wurfscheibe … zu spielen…

filmstreifen

Ich werde auch nie vergessen, wie ich einst nach Haus kam und du meintest, das aus meinem Zimmer Kampfgeräusche drangen und ich dich fragte; ober du nach geschaut hattest, aber du dich nicht  getraut hast. (Ich betrat das Zimmer, meine noch MiniKatze spielte mit meinem Wellensittich)
oder
wie du einst aus dem Keller kamst, wo du Holz klein machtest und mit Blut tropfendem Daumen vor mir standest und mich fragtest, was du tun solltest…

Ich vermisse so viele Kleinigkeiten, aber vor allem vermisse ich, das ich dich nie kennenlernen durfte. Dir nie nah sein durfte und du kein liebevoller Vater sein konntest (so selten), den ich damals schon so sehr vermisste…

Dein_unser Feind.
So mächtig und stark und ich wünschte du hättest Zeit gehabt, ihn besiegen zu können, doch am Ende hat er über dich gesiegt.
Ich vermisse dich noch immer…
… auch wenn die Wut über den Feind so viele Erinnerungen überschattet…
… ich habe dich geliebt, du warst mein Papa, mein Bezugspunkt und dann warst du einfach Weg. Schon so viel früher als dein Lebensende.

… noch immer ruht meine Hand auf der nun warm gewordenen Türklinke…
… ich kann sie einfach nicht öffnen…
Ich bin noch nicht so weit, nachzuschauen…
… zu sehen, das dein Sessel leer ist…
…bleibt…


copyright by Miss Tueftelchen

 

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4 Kommentare zu “… vermissen…

  1. Pingback: FreuFeierTag | WorTüfteleien

  2. OmG… ich habe gerade keine Worte, nur Tränen, einen Kloß im Hals, einen Stein im Magen, ein schmerzendes Herz, und ganz viel Verbundenheit zu dir, weil ich all das, inklusive die Gänge zum Friedhof – seit neuestem – so sehr kenne. Weil ich mich beinahe in jedem Satz wiederfand… entschuldige, wenn ich dir mit den Worten zu nahe auf die Pelle rücke, aber es war mir ein Bedürfnis, dir zu schreiben, dass ich weiß, wie es dir geht, wie du dich fühlst und fühltest, und wie schwer es manchmal ist, mit Dingen Frieden zu schließen und Vergebung zu finden. Hm… jetzt hatte ich doch ein paar Worte.., hast du wirklich treffend ge(be)schrieben.

    Ich schicke dir herzliche und warme Grüße

    Gefällt 1 Person

    • Danke schön für deine lieben mit_fühlenden Zeilen. Es tut mir sehr Leid das du das auch kennst. Ich hoffe auch du findest deinen Weg für dich mit der Trauer umzugehen. Ich glaube es ist wichtig die Gefühle der Traurigkeit aber vielleicht auch Wut annehmen zu können. Ich denke, manchmal muss ich_man die Dinge nehmen wie sie sind. Jetzt ist es so wie es ist, ändern kann ich oder andere am Tod einfach rein gar nichts. Er kommt wenn er der Meinung ist das es so weit ist, tja und dann sollte es wohl so sein. So traurig diese Tatsache ist so groß der Schmerz auch sein mag, ich glaube mit der Zeit wird er anders, milder, irgendwie…
      Ich glaube das eigene Leben ist noch lebendig und daran sollte ich_man fest halten und nicht mit dem Tod eines geliebten Menschen mit Abschied vom eigenen Leben nehmen. Nach vorne schauen, und lebendig sein, in alle SekundenMinuten des eigenen Daseins, den nur im hier und jetzt können wir uns unser eigenes Glück schaffen.

      Ich sende dir 🐘blauenGrüßen✨
      und alle guten Wünsche und Hoffnungen für dich

      Gefällt mir

  3. Hallo misstueftelchen,

    ist sehr schön und auch sehr traurig geschrieben. Hört sich für uns wehtuend an, Alkoholsucht greift auch die Miterlebenden an. Wünsche Dir heilsame Erfahrungen, heute fehlen uns irgendwie die Worte.

    l.g. sternenstaub

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